Rollator – aber wann?

Vom ersten Gedanken zur täglichen Benutzung

Rollator Modell + Gehhilfen, Foto Ute Boysen

So wie eine längere Gehstrecke zu bewältigen war, kämpfte meine Mutter nach einiger Zeit mit Schmerzen und der ständigen Ausschau nach einer Sitzgelegenheit. Immer häufiger wurde dies zur alles bestimmenden Angelegenheit, wenn wir unterwegs waren. Und so stellte ich einmal die Frage, ob sie sich denn mit einem Rollator wohl besser fühlen könne…  Meine Mutter reagierte entsetzt mit den Worten: „Sooo alt bin ich doch noch nicht.“ Ok, sie war zu dem Zeitpunkt 77 Jahre alt. Dann, ein Jahr später, suchten wir erstmals ein Fachgeschäft auf.

Ob und in wie weit Sie von Ihrer Krankenkasse bei der Anschaffung eines Rollators unterstützt werden können, erfahren Sie dort in einem Beratungsgespräch. Sollte Ihre Krankenkasse Ihnen ein Leihgerät zur Verfügung stellen, so handelt es sich um ein Standardmodell ohne Rückenstütze und mit einem recht hohen Eigengewicht von nahezu 12 Kilogramm. Die Fachverkäuferin, seit 35 Jahren Fachberaterin in einem Sanitätshaus unserer Stadt, erklärt uns anhand der zahlreich vorhandenen Rollatoren die Unterschiede von einem Modell zum anderen.  „Beim Ausprobieren der Sitzflächen müssen Sie zuerst einmal die Feststellbremsen betätigen!“ beginnt Sie ihre Ausführungen und weist auf die hohe Gefahr des Wegrollens oder Sturzes hin. Der Rollator an sich muss nicht zwingend eine Sitzfläche besitzen, diese wird jedoch eine zusätzliche Erleichterung während längerer Strecken sein.

Die Beraterin macht sich anhand der Größe und des Gewichtes ihrer Kundin schnell ein Bild davon, welche Rollator-Ausmaße in Frage kommen. Um die ideal zur Person passende Gehhilfe herauszufinden,  lässt sie sich erzählen, für welche Anlässe der Rollator gebraucht wird. Sie möchte die Breite der Wohnungstüren erfahren, ob Treppenstufen zu bewältigen sind, oder ob Fahrstühle benutzt werden. Auch die Einkaufsgewohnheiten gehören  zu den wichtigen Informationen, denn das höchst zulässige Zulade Gewicht  geben die meisten Rollator-Hersteller mit fünf Kilogramm an.

Die Einstellung der generell vorhandenen höhenverstellbaren Griffe auf die Körpergröße der Seniorin nimmt die Fachkraft im Laden vor. Mit den Worten: „Immer gerade hinter dem Rollator stehen und die Ellenbogen nur leicht anwinkeln, “ korrigiert sie die Körperhaltung der Seniorin.

Rollatoren-Modelle im Fachgeschäft, Foto Ute Boysen

Das Sondermodell „Delta Gehrad“ mit nur drei Rädern erlangt unsere Aufmerksamkeit und die Beraterin hebt hervor, dass sich dieses ganz besonders für recht schmale Eingänge und Wohnungstüren oder insgesamt engeren Wohnraum eignet, in dem viele Möbelstücke dem größeren Rollator hinderlich wären. Bei einem weiteren Modell ist auf der Sitzfläche ein durchsichtiges Tablett befestigt, welches unbeweglich  in vorgestanzten Öffnungen steckt und mit einem Handgriff herausnehmbar ist. So können Getränke und Speisen ideal transportiert werden, wenn der Wohnraum großzügig genug ist. Diese Gehhilfe lässt sich auch in den mit breiten Gängen ausgestatteten Seniorenheimen gut einsetzen.

Rollator-Anpassung an Seniorin, Foto Ute Boysen

Nachdem wir nun verschiedene Modelle angesehen haben, erklärt bekamen und ausprobieren konnten, fiel die Entscheidung auf einen Rollator mit gepolsterter, halbrunder Rückenstütze. Obwohl alle Gehhilfen zusammenklappbar und somit tragbar sind, gibt es auch hier gravierende Unterschiede in der Handhabung. Der ausgewählte Rollator ist mit zwei Handgriffen problemlos klappbar und meine Mutter kommt gut zurecht damit. Die letzte Frage, ob die Bremsen regelmäßig überprüft werden sollten bejaht die Fachberaterin, wobei regelmäßig hier etwa zwei Mal im Jahr bedeutet.

Und so ist meine Mutter nun Rollator-Besitzerin. Der erste Weg durch die Stadt verlief ausgesprochen zufriedenstellend und das schnelle, problemlose Verstauen des Rollators in mein Auto werde ich auch bald raushaben… In diesem Sinne – warten Sie nicht zu lange auf Ihre Gehhilfe, längst ist der Rollator Bestandteil des Stadtbildes.

Diesen Beitrag veröffentlichte ich im Juli 2012.Mittlerweile hat sich meine Mutter ein anderes Modell gekauft, ist aber regelmäßig mit ihrem „Rolli“ unterwegs und mag ihn nicht mehr missen.

 

3 Kommentare

  1. Ich kann diesen Artikel voll und ganz unterstützen aus eigenen Erfahrungen und allen Senioren nochmals dazu raten. – Inzwischen habe ich sogar ein Elektromobil. Ein Gefährt für Gehbehinderte, denen das Laufen schwer fällt und sehr nützlich für kleine Einkäufe und kurze Wegstrecken.
    Das Elektromobil wird auch durch die Krankenkasse bezuschusst.
    Vielleicht kannst Du darüber auch etwas schreiben liebe Ute. Gruß Marlis

  2. Hallo Marlis, vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Es freut mich sehr, wenn gerade aus eigenen Erfahrungen heraus geschrieben wird.

  3. Ein guter und hilfreicher Artikel für Senioren mit Geh-Schwierigkeiten, die sich immer noch gegen einen Rollator wehren und die hilfreiche Benutzung ablehnen. Ich spreche aus Erfahrung und möchte meinen Rollator nicht mehr missen. Es ist gut, dass es diese Erfindung gibt. Jeder sollte sie nutzen.

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