Rücksicht – Nachsicht – Vorsicht

Nachreden

Foto zum Thema Rücksicht, pixabay.de

Gerade fiel mir ein wunderbarer Liedertext aus der Vergangenheit ein. Es war das Lied „Rücksicht“ der Brüder Hoffmann und Hoffmann, die ihren Bekanntheitsgrad eher durch ihr Lied „Himbeereis zum Frühstück“ erlangten. Leider gibt es dieses Gesangsduo nicht mehr, denn einer der Brüder nahm sich im Jahr 1984 im Alter von nur 33 Jahren das Leben.

Das Lied „Rücksicht“ hat mit der Trennung eines Liebespaares zu tun. Doch die Worte „Rücksicht, Nachsicht, Vorsicht und Weitsicht“ sind es, die mich zum Nachdenken brachten. Denn nicht nur in einer Partnerschaft sind diese Worte von immenser Bedeutung, sondern meiner Meinung nach in jeglicher zwischenmenschlichen Beziehung. So denke ich beispielsweise daran, wie leichtfertig Bemerkungen über andere Personen gemacht werden. Es ist gerade heute ein Leichtes, Gerüchte zu streuen, sich lustig zu machen über Mitmenschen, die anders leben, als man selbst. Die sich anders kleiden oder schminken, oder aber eine andere Figur haben, als allgemein hin als akzeptabel angesehen wird.

Beifall heischend oder wichtigtuerisch werden Unwahrheiten in einer Lautstärke von sich gegeben, dass auch wirklich alle Umstehenden den Wortlaut mitbekommen. Die Betroffenen ahnen nichts davon. Doch ein Zuhörer erzählt es – natürlich ausschmückend – im Bekanntenkreis weiter. Derjenige freut sich diebisch über eine vermeintlich super interessante Neuigkeit und gibt es wiederum abgeändert oder ergänzt weiter – ein Teufelskreis beginnt. Die Betroffenen ahnen nichts davon.

Doch dann, irgendwann, bemerken sie Blicke, Grinsen, vielleicht sogar abfällige Wortfetzen, geringschätziges Lächeln – und fragen sich völlig irritiert und verunsichert, was denn wohl los sei. Anfangs wird es noch als „ich täusche mich wohl“ angesehen. Doch nach einiger Zeit bleibt kein Zweifel. Die lieben Mitmenschen haben sie auf dem „Kieker“. Warum? Das ist die große Frage, denn wenn die Betroffenen keinerlei Ahnung darüber haben, was denn um Himmels Willen eigentlich los ist, dann wird es eine extreme Folgezeit.

Und ich spreche hier gar nicht von den Mobbing-Attacken unter Kindern oder Jugendlichen, von denen in sämtlichen Medien immer wieder berichtet wird. Ich spreche von ganz alltäglichen Vorkommnissen – Gespräche in Eisdielen, Cafés, Kneipen, auf Festen oder Veranstaltungen.

Einer will sich wichtigmachen oder jemandem extrem schaden – und die Mitmenschen machen begeistert mit. Wo bleiben da die Bedeutungen von Rücksicht auf andere nehmen, Nachsicht üben, Vorsicht, denn man sollte niemanden verletzen oder zerstören durch Unwahrheiten und Weitsicht – denn das Leben findet nicht nur heute statt. (Die Zeile zur Weitsicht stammt aus dem Refrain des Liedes „Rücksicht“).

„Denke daran, dass Schweigen manchmal die beste Antwort ist“
„Lasse nicht das Verhalten anderer Deinen inneren Frieden zerstören“
Beide Zitate – Dalai Lama

Und abschließend zum Thema suchte ich eins von zahlreich passenden Gedichten von Norbert Van Tiggelen aus:

Nachreden

Ziehen häufig große Kreise,
rasend schnell und meist verdreht;
Menschen, die sie fies verbreiten,
stört‘s nicht, wie‘s dir dabei geht.

Wichtig ist: Sie können lästern,
heucheln, spotten, massakrier’n,
deinen guten Ruf zerfetzen,
quälen, schänden, deformier’n.

Dieser Zündstoff namens ‚Lügen
detoniert tagaus, tagein;
durch die Flächenbombardierung
knüppelt man dich kurz und klein.

Komisch ist zudem das Eine,
und ein Phänomen dazu:
Der, der sie erfährt als letztes –
das bist leider meistens du!

©Norbert van Tiggelen

 

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