Schwarzweiß

von Gabriele Flimm (mit freundlicher Genehmigung)

Schwarzweiß, Vollmond erleuchtet die Nacht, Foto Andrea Kusajda_pixelio.de

An einem hellen Sonnentag entschieden Schwarz und Weiß, die Lichtherrschaft zu übernehmen.

„Du übernimmst den Tag“, sagte Schwarz zu Weiß, „und ich bin für die Nacht zuständig. Dann bestimmen wir, wann Tag und wann Nacht ist.“

„Meinst du, Tag und Nacht werden damit einverstanden sein?“, fragte Weiß unsicher.

„Na klar“, antwortete Schwarz „es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig.“

Da gesellte sich Grau zu ihnen und sagte: „Ohne mich werdet ihr das nicht schaffen!“

„Ach, scher dich zum Teufel, Grau“, sagte Schwarz zornig. „Wir brauchen dich nicht!“

Und so ging er mit Weiß hochnäsig davon.

Grau war verärgert und dachte nach, was er jetzt tun sollte. Nach kurzem Überlegen hatte er eine Lösung. Er ging nach Hause und setzte sich gemütlich in seinen Lehnstuhl. Abwarten würde er. Nichts als abwarten.

Der Tag verging. Aber die Helligkeit blieb. Längst waren die Abendstunden eingetreten, aber es war noch so hell draußen wie um die Mittagszeit. Grau räkelte sich noch ein wenig tiefer in seinen Lehnsessel. Nun würde es nicht mehr lange dauern.

Und tatsächlich, kurz darauf traf ein Telegramm bei ihm ein, mit einem der seltsamsten Inhalte, den die Welt je gesehen hatte: „Weiß Völlig Erschöpft STOPP Nacht Droht Mit Kündigung Wenn Ich Nicht Sofort Hereinbreche STOPP Brauchen Dringend Dämmerung STOPP Liebe Grüsse Schwarz.“

Gabriele Flimm

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