Spaziergangs Wissenschaft – die Promenadologie

… und der Waldspaziergang

Spaziergang, Architektur in der Altstadtgasse, Foto Michael Gaida auf pixabay

Ja manch‘ eine Wissenschaft ist mir und vielleicht auch Ihnen völlig neu. Ich habe noch nie zuvor von der „Promenadologie“ gehört und fand diesen Begriff im Internet, nachdem ich mir die positiven Seiten des Spazierengehens durch verschiedene Berichterstattungen näher anschauen wollte. „Promenadologie“ beinhaltet das Wort „Promenade“ und solch einen Spazierweg kennen nun wiederum viele von uns.

www.wikipedia.de erklärt zum Begriff folgendes: „Die Promenadologie ist eine von Lucius Burckhardt entwickelte kulturwissenschaftliche und ästhetische Methode, die darauf zielt, die Bedingungen der Wahrnehmung der Umwelt bewusst zu machen und die Umweltwahrnehmung zu erweitern.“ Also das Zusammenspiel zwischen Gehen, Denken, Wahrnehmen.
Kurz gesagt – mit offenen Augen und allen Sinnen unsere Umgebung wahrnehmen, Neues entdecken und dadurch konzentrierter durchs Leben gehen. So habe ich es verstanden.

Das ist die theoretische Seite. In der Praxis muss ich sagen empfinde ich einen Spaziergang genau so, ohne es mit diesen vorausgegangenen Worten erklären zu müssen. Die Luft, die Temperatur, den vielleicht vorhandenen Wind, die Pflanzen, die Weges säumenden Gebäude, ja sogar die begegnenden Menschen nehme ich bei einem Spaziergang sehr viel intensiver wahr, als wenn ich mit dem Auto durch die Gegend fahre, um schnell etwas zu erledigen. Letztendlich denke ich sogar anders während eines Spaziergangs.

Aber die Wissenschaft „Promenadologie“ weist auf ganz andere Dinge hin. Unter dem Link https://www.uni-kassel.de/fb6/person/burckhardt/promenadologie.html  erfährt der interessierte Leser unter anderem, dass nicht nur unsere Landschaft in Zonen organisiert ist, sondern auch eine Stadt dieser Einteilung unterliegt.
Lucius Burckhardt, Soziologe und Ökonom, ging den Gedanken nach, bei der Städteplanung und baulichen Umsetzung sowohl architektonische Ideen als auch tatsächlich den Bewohnern wichtige und notwendige Strukturen in der Gebäudeentwicklung sowie der Infrastruktur zu berücksichtigen.

Spaziergang, Kastanien im Herbstlaub, Foto Ute Boysen

Nun möchte ich an dieser Stelle auch noch auf einen Waldspaziergang eingehen, denn dieser steht von allen Spaziermöglichkeiten bei mir persönlich an erster Stelle. Der Wald mit seinem teils Jahrzehnte alten Baumbestand bietet ein nicht zu unterschätzendes Wohlfühl-Areal. Gedanken können hier in ruhige Bahnen gelenkt werden und das tiefe Einatmen des unverwechselbaren Waldgeruches erfüllt den gesamten Körper mit Ruhe. Ganz besonders hat es mir der Herbst angetan. Die Herbstfrüchte wie Bucheckern, Eicheln oder Kastanien, das bunte raschelnde Laub, das Rauschen der Bäume im Herbstwind – das alles und der typische Herbstgeruch der Natur lässt mich sehr ruhig und zufrieden nach Hause kommen.

„Die Natur muss gefühlt werden“
(Alexander von Humboldt, preußischer Naturforscher und Forschungsreisender)

Spaziergang, Reh im Wald Freigehege, Foto Ute Boysen

Warum ich den Herbst so gerne mag? Weil es die Jahreszeit ist, die uns mit dem abfallenden Laub, dem Hinwelken der Pflanzen und dem Verschwinden der Stauden eben nicht nur zeigt „es geht alles dem Ende zu“. Nein, der Herbst mit diesen Hinweisen auf ein Ende lässt uns zurück mit der unumstößlichen Tatsache, dass alles im Frühling wieder beginnt zu sprießen und zu grünen! Die Natur geht nur schlafen – so habe ich es unseren Kindern früher erzählt. Im Frühling steht sie wieder auf.

„Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden“
(Erich Kästner, deutscher Schriftsteller)

Diese Gewissheit ist solch ein positiver Gedanke, solch eine Zuversicht, dass ich den Herbst liebe. Mit all‘ seiner Vielfalt und egal ob am Meer oder in den Bergen, am See oder im Wald. So empfinden viele Menschen einen Waldspaziergang als wohltuend. Ganz egal, was uns so fühlen lässt, den Wald als Quell‘ der Ruhe zu entdecken wird uns gerade jetzt im Herbst 2020 innerlich gut tun.

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