Sylt – ohne Gosch und Sansibar

Die Insel Anfang April

Mit der Insel Sylt verbinden uns familiäre Bande, denn mein Schwiegervater war geborener Sylter und dieser Familienzweig lässt sich weit zurückverfolgen. So lächelte uns ein Museums Mitarbeiter mit den Worten „ach, Sie gehören zur Boysen-Familie“ an und wir schmunzelten in uns hinein.

Sylt, Lister Hafenbecken, Foto Ute Boysen

Sylt lernte ich im Jahr 1975 durch meinen Mann kennen. Aber wie anders sah diese deutsche Insel damals aus. Ich spreche jetzt nicht von der veränderten Strand-, Sand- oder Dünenbeschaffenheit oder den Problemen der Insel-Verkleinerung. Ich rede vielmehr vom Leben auf der Insel. „Gosch“ hatte eine kleine Fischbude im Lister Hafen und wir aßen unser Fischbrötchen am Stehtisch. Im Hafenbecken lagen die kleinen Fischkutter, wir kauften frische Krabben, die von den Fischern mit Blechdosen in eine Tüte geschaufelt wurden und wir puhlten die Krabben auf der Hafenmauer sitzend…. Das ist lange her und heute nicht mehr vorstellbar. Aber es war ursprünglich und herrlich.

Gosch ist heute überall auf der Insel vertreten, mal mit kleineren, mal mit größeren Restaurants und alle Welt „muss bei Gosch gegessen haben“. Ähnlich sah es vor langer Zeit aus mit der „Sansibar“. Mit Antje und Knuth lernten wir die damals als Geheimtipp gehandelte „Sansibar“ kennen und fanden es höchst interessant. Heute bleibt wieder Niemand verschont von diesem Namen, denn mittlerweile verkaufen Airlines vom T-Shirt bis zur Currywurst alles unter diesem Namen und Textilien mit Schriftzug sind bei vielen Sylt Besuchern begehrt.

Sylt, Leuchtturm Hörnum, Foto Ute Boysen

Aber es gibt noch die schönen Seiten unserer nördlichsten deutschen Insel. Ob es sich um Wattwanderungen oder Strandspaziergänge bei Wind und Wetter handelt, ob der spektakuläre Sonnenuntergang von der Strandpromenade in Westerland fotografiert werden kann oder die kleinen Insel Ortschaften besucht werden können – Sylt bietet halt mehr als Gosch und Sansibar und lädt ein zu Erholung, Gesundheit und Weite.

Wann immer wir die Insel besuchen, besichtigen wir entweder die Sölring Museen Keitum (beinhaltet das Sylt Museum und das Altfriesische Haus seit 1640) am Wattenmeer gelegen oder fahren zum Lister Hafen. Wir fühlen uns wohl in Hörnum am Südkap/Leuchtturm und genießen auf der Bank im Sonnenschein sitzend einen Kaffee. Schauen uns das ach so verlassene Kampen an mit seinen oft unbewohnten Prachtbauten, schlendern in Westerland über die Einkaufsstraßen und betrachten bei einem Cappuccino die vorbeiflanierenden Miturlauber.

Sylt, Handwerker vom Fach lassen ein Reetdach entstehen, Foto Ute Boysen
Sylt, ein Reetdach wird gedeckt, Foto Ute Boysen

Keitum hat sich im Laufe der Jahrzehnte als wunderschönes Dorf erhalten. Traditionsbewusst halten hier die Hauseigentümer viel vom Reetdach, welches in anderen Ortschaften mehr und mehr verdrängt wird durch andere Bedachungen. Hier kann ich mich nicht sattsehen an diesem alten Handwerk und auch dieses Mal wieder fotografierte ich die Reet-Dachdecker bei ihrer Arbeit. Auf meine Frage nach Lehrlingen, nach dem Fortbestand des Handwerks erfahre ich von älteren Dachdeckern, dass es schlecht damit aussähe. Und mehr und mehr sehen wir tatsächlich osteuropäische Handwerker neue Reetdächer decken oder alte Dächer erneuern.

Sylt, Flechtarbeiten am Strandkorb, Foto Ute Boysen

Nahe des kleinen Ortes Rantum befindet sich eine Strandkorb-Firma, die wir uns vor einigen Jahren anschauen konnten. Hier entstehen in aufwändiger liebevoller Kleinarbeit und alter Handwerkskunst wunderschöne echte Sylt-Strandkörbe, die Jahrzehnte jeden Wetters überdauern. Alle Arbeitsgänge schauten wir uns an, ließen uns vieles erklären und hatten glücklicherweise eine Tageszeit erwischt, in der keine Touristenströme Laden und Ausstellung bevölkerten. So sprechen Frühjahr und Herbst dafür, die Insel mit all ihrer Vielfältigkeit zu besichtigen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here