Süßkartoffeln

„Probieren Sie einmal…“

Süßkartoffeln, mit Sparschäler Schale entfernt, Foto Ute Boysen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, so sagt man. Allerdings macht das Durchbrechen einer liebgewonnenen „Kaufgewohnheit“ nicht nur Spaß, sondern bringt Abwechslung in den Alltag. Kaufen wir doch einmal neue Produkte, vielleicht unbekannte, seltsam aussehende, fremd duftende oder unaussprechliche Lebensmittel.

Ich wagte mich an andere Regale oder Kisten und schaute ausgiebig nach von meinen Gewohnheiten abweichenden Produkten. Was ich fand war manchmal rätselhaft, interessant oder auch witzig. Heute stelle ich die Süßkartoffel vor, die zwar nicht mehr so ganz neu im Verkauf ist, aber auch längst nicht so bekannt, wie man meinen sollte.

Gefunden habe ich dieses Nahrungsmittel in den Gemüseabteilungen verschiedenster Supermärkte oder Discounter. Ein Mitarbeiter der Obst- und Gemüseabteilung Real bestätigte mir in einem persönlichen Gespräch, dass die Nachfrage mit der Zeit gewachsen sei. Doch noch immer gelte bei Kunden die Devise „… was der Bauer nicht kennt, …“. An manchen Tagen werde trotzdem eine ganze Kiste der Süßkartoffeln verkauft, wenngleich bisher eher an Stammkunden.

Woher kommt denn nun diese immer öfter gepriesene Süßkartoffel, von der man früher so gar nichts hörte? Vom Ursprung her soll sie aus den tropischen südamerikanischen Gebieten stammen und dort schon vor hunderten von Jahren als Nahrungsmittel angebaut worden sein. In Europa kultivieren einige südeuropäische Länder diese Pflanzen und im Laufe der vergangenen Jahre spezialisierten sich auch in Deutschland einige Landwirte. Selbst der Eigenanbau im Garten oder in Kübeln soll möglich sein.

Süßkartoffel roh und klein geschnitten zubereitet, Foto Ute Boysen

Der Name ist jedoch irreleitend, denn mit unserer Kartoffel hat die Knolle nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich bei der Süßkartoffel um eine Art der Windengewächse mit sehr schönen Blüten, so dass es nicht verwundert, diese auch im Ziergarten zu finden.

Zurück zur Knolle. Erst einmal sieht sie in unterschiedlichsten bizarren Formen recht wunderlich aus. Egal welcher Farbe die äußere Schale auch sein mag, ob braun, gelblich oder rosa/pink – Süßkartoffeln sind in Geschmack und Beschaffenheit nicht zu vergleichen mit unseren Kartoffeln. Die Konsistenz vor und nach der Zubereitung ist völlig unterschiedlich. Wenn hier nun von „süß“ gesprochen und geschrieben wird, so ist der Begriff dehnbar.

Ich persönlich habe Süßkartoffeln mit dem Sparschäler geschält, kleingeschnitten und gekocht (je kleiner die Stücke sind, umso kürzer die Garzeit) und benötigte für 500 Gramm ganze neun Minuten!

Luise N. (82) probierte etwas Anderes aus. Sie reinigte die größeren Süßkartoffeln und entfernte die Schale nicht. Der Länge nach aufgeschnitten, gab sie Pfeffer, Salz und etwas Öl auf die Schnittflächen und legte die Süßkartoffeln so vorbereitet mit der Schnittfläche nach oben auf das mittlere Blech des Backofens. Bei Ober- und Unterhitze von 200 Grad beträgt die Garzeit rund 25 Minuten, je nach Größe der Süßkartoffel. Anschließend aus der Schale herauslöffeln, je nach Geschmack mit Kräuterquark oder als Beilage zu einem Gericht. Gefunden habe ich zudem eine bereits fertig zubereitete Süßkartoffelsuppe im Glas.

Als „süß“ bezeichne ich mein Geschmackserlebnis nicht, eher als angenehm mild, wenngleich ein höherer Zuckergehalt nachweisbar ist. Das orangefarbene Fleisch meiner zubereiteten Süßkartoffeln ist auf den hohen Carotin-Gehalt dieser Sorte zurückzuführen, so dass ich einen zarten Geschmack Richtung Karotten empfand. Hier spielt das eigene Empfinden sicher eine große Rolle, aber ablehnen werden Sie diese Knolle nicht, denn es handelt sich auf keinen Fall um ein super fremdes exotisches Aroma, sondern um eine Bereicherung im Kochalltag, die selbst Kinder lieben werden. Aufgefallen ist mir zudem das erstaunlich lang anhaltende Sättigungsgefühl.

Im Buchhandel werden mittlerweile verschiedenste Kochbücher rund um die Süßkartoffel angeboten. Neben herzhaften Süßkartoffel-Waffeln, Süßkartoffeln mit Mozzarella oder Süßkartoffel-Spirali (Nudeln) ist mittlerweile eine Vielzahl an einfachen und auch schnellen Rezepten verfügbar.

Vielleicht sind Sie nun neugierig geworden, doch der Preis für dieses Nahrungsmittel schreckt Sie ab? Wie immer im Handel, wird dieser durch Angebot und Nachfrage geregelt. Erinnern Sie sich noch an die ersten Kiwis hier bei uns im Land? Der Stückpreis erschien uns damals außergewöhnlich hoch und hat sich doch im Laufe der Jahre und Jahrzehnte relativiert. Auch jetzt schon finden sich in den verschiedensten Gemüseabteilungen Mehrstückpackungen von Süßkartoffeln zu erschwinglichen Preisen. Probieren Sie einmal – guten Appetit!

Link-Tipp: Unter www.gartendialog.de/gartengestaltung/gemuesegarten/kartoffel/suesskartoffeln-anbauen.html finden Sie interessante Informationen darüber, ob und wie Sie selbst Süßkartoffeln anpflanzen können.

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