Schloss Neuschwanstein und noch viel mehr

Sehenswertes für einen Kurzurlaub

Bayern, Schloss Neuschwanstein, zauberhafte Ansicht im Nebel, Foto Ute Boysen

Wenn Zeit und finanzielle Möglichkeiten zusammentreffen, romantische Veranlagung oder Geschichtsinteresse vorliegen und eine längere Autofahrt mit Freude angegangen wird, dann empfehle ich Ihnen wärmstens einen Kurzurlaub in Bayern. Allerdings nicht irgendwo in unserem südlichsten Bundesland, sondern recht zentral gelegen für Ausflüge vieler Art, nämlich Bad Tölz.

So machten wir uns einmal am 2. Weihnachtstag auf den Weg und erlebten fast durchgängig freie Autobahnen. Für Bad Tölz hatten wir uns ganz bewusst entschieden, denn von diesem gemütlichen Kurort aus sind es immer gut fahrbare Entfernungen mit dem Auto zu den unterschiedlichsten Interessen-Zielen. Einerseits fehlte uns in den letzten Dezembertagen der erhoffte Schnee, andererseits muss ich im Nachhinein sagen, war es nicht gar so schlecht. Denn der, nennen wir es einmal „Aufstieg“ zum Schloss Neuschwanstein wäre bei Eis und Schnee sicher sehr unangenehm und beschwerlich geworden.

Bayern, Fassadenmalereien, Foto Ute Boysen

Aber der Reihe nach. Unser erster Ausflug führte uns über die Landstraßen-Route zur 60 km entfernten Landeshauptstadt München. Sonnenschein durchzog den dunstigen Nebel und gelegentliche kleine Schneereste rechts und links der Landstraßen ließen uns auf kältere Tage hoffen. Selbst in den zahlreichen kleinen Dörfern, die wir durchfuhren gibt es Interessantes zu sehen, denn die Wandmalereien auf fast allen Wohnhäusern, die farbigen Fensterläden und die bayrische Bauweise an sich empfanden wir schon als äußerst sehenswert. Über München und seine Besonderheiten zu schreiben würde hier den Platzrahmen sprengen, so dass ich nur sagen kann: ein Tagesausflug lohnt sich auf jeden Fall!

Bei wunderbarem Sonnenschein starteten wir am nächsten Tag nach Garmisch-Partenkirchen, dem bekannten und auch nur 55 km von Bad Tölz entfernten Wintersportort. Selbstverständlich waren wir auch hier nicht die einzigen Besucher, aber der Andrang hielt sich in Grenzen, wie wir erfuhren. Sicher nicht zuletzt aufgrund dessen, dass nur schmutzige Schneereste vereinzelt im Ort zu sehen waren.

Bayern, am Tegernsee, Foto Ute Boysen

Unser nächster Ausflug führte uns zum Tegernsee, der etwa 20 km von Bad Tölz entfernt liegt. Im Örtchen Tegernsee erstrahlte sogar der See in herrlichem Sonnenschein, was wir als Ersatz für den fehlenden Schnee wirklich genießen konnten. Weiter ging es nach Rottach-Egern, ebenfalls am Tegernsee gelegen und doch so ganz anders in seiner Ausstrahlung. Bad Wiessee schließlich rundete das Bild vom Leben um den Tegernsee für uns ab.

Den Höhepunkt unserer Reise bildete aber ganz klar die Besichtigung der Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein, rund 100 km entfernt von Bad Tölz gelegen. Um die große Jesuiten-Klosteranlage Ettal besichtigen zu können, die auf dem Weg liegt, fehlte uns leider die Zeit, doch sollte dies unbedingt als separate Tagestour eingeplant werden!

Bayern, Schloss Hohenschwangau, Foto Ute Boysen

Aus unserer geografisch eher flachgehaltenen Heimat kommend freuten wir uns über den fantastischen Anblick auf die felsigen oder bewaldeten Berge mit ihren weißen schneebedeckten Gipfeln hier im Landkreis Ostallgäu. Die Bauweise in diesem Landstrich erscheint aus Bad Tölz kommend vergleichsweise schlicht – bis das Schloss Neuschwanstein wie in den Felsen geklebt sichtbar wird. Ein Hinweisschild zeigt an, dass wir uns auf der „Romantischen Straße“ befinden – und das auch in japanischen Schriftzeichen.

Glücklicherweise waren wir bereits durch zahlreiche Vorabinformationen im Internet, aber auch durch unser Hotel vorgewarnt – denn einfach parken und losmarschieren hinauf zu den Schlössern – das wäre fatal falsches Vorgehen. In der Nähe der Parkplätze befinden sich zuerst einmal die Anmeldestation und der Eintrittskartenverkauf. Hier hatten wir das große Glück, vor dem Eintreffen von etwa sechs Reisebussen mit  ausschließlich japanischen Besuchern, an den Schalter zu gelangen. Freundliche Mitarbeiter erklären, beraten und rechnen exakt aus, welches Schloss zu welcher Zeit mit welcher landessprachlichen Führung in Frage kommt…

So konnten wir direkt den relativ kurzen, aber anstrengenden Anstieg zum Schloss Hohenschwangau, hinter der Anmeldestelle gelegen, in Angriff nehmen. Eine moderatere Wanderstrecke führt über den Parkplatz. Nach etwa 10 bis 15 Minuten erreichten wir das Schloss und nutzten die Wartezeit bis zu unserer Führung zum Fotografieren – denn von hier aus hat man eine wunderbare Sicht auf das gegenüber liegende Schloss Neuschwanstein.

Nach der Führung spazierten wir zurück zur Anmeldestelle und warteten mit zahlreichen anderen Menschen auf eine der sechs eingesetzten Pferdekutschen, um zum Schloss Neuschwanstein zu gelangen. Ab einer gewissen Höhe folgt dann allerdings noch einmal ein rund zehnminütiger Fußweg bis zum Schloss. Leider muss gesagt werden, dass gehbehinderte Menschen kaum oder gar nicht in der Lage sind, diese Strecken zu laufen oder sich irgendwie in den Schlössern zu bewegen. Das gilt ebenso für den Einsatz von Rollatoren, Gehhilfen, Rollstühlen oder auch Kinderwagen.

Die Geschichte der Schlösser wurde uns mal anschaulich und verständlich nahe gebracht, mal routinemäßig abgespult  – doch die Pracht im Inneren und die unglaublichen Wand- und Deckenmalereien sind überwältigend. So gesehen sollten wirklich beide Schlösser nacheinander besichtigt werden. Ins Tal zurück sind wir gelaufen, langsam und bedächtig, beeindruckt von dem Erlebten und voller innerer Bilder und Gedanken. Da störten dann auch nicht mehr die mittlerweile rund 1000 Besucher, auf- wie absteigend.

(Erstveröffentlichung 01/2014)

 

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