„Sevilla“ – Städtetour in Andalusien

„Plaza de Espana“ und „Alcázar von Sevilla“

Sich beim Schreiben eines Berichtes über Sevilla auf wenig Platz beschränken zu müssen fällt wirklich schwer. Denn bietet doch allein der königliche Alcázar von Sevilla, so wie die Spanier eine Festung, einen Palast oder ein Schloss bezeichnen, eine Fülle von Informationen über die 2000jährige Geschichte der Architektur und Kunst.

Beginnen wir langsam. Wir erreichen Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, mit dem Auto von Jerez kommend schnell und ohne Probleme. Leichter Regen und ein fast ständig bewölkter Himmel begleiten uns durch die ländliche Umgebung. Wir hatten uns das Wetter anders vorgestellt, aber letztendlich reichen uns eine gemäßigte Temperatur und trockene Stunden, um all‘ das zu besichtigen, was Sevilla zu bieten hat.

Sevilla, Plaza de Espana Teilansicht, Foto Ute Boysen

Direkt nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, machen wir uns auf den Weg. Dass wir an diesem Nachmittag bereits rund 10 Kilometer Strecke zu Fuß zurücklegen werden, hatten wir so nicht geplant. Doch während des Schlenderns, Staunens und Fotografierens vergeht die Zeit wie im Flug und man spürt nicht die gelaufenen Kilometer. So erreichen wir die „Plaza de Espana“ die mit zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört.

Sevilla, Plaza de Espana, Fliesenbilder aller Regionen Spanienes, Foto Ute Boysen
Sevilla, Plaza de Espana, Teilansicht der Fliesenbilder der 49 Provinzen Spaniens, Foto Ute Boysen

Allein hier haben wir in mehr als 100 Fotos die Schönheit, die Größe, die Besonderheit, das Einmalige festgehalten. Unter dem Link www.wikipedia.de finden Sie ausführliche Erklärungen zur Plaza sowie zahlreiche Fotos aus Perspektiven aufgenommen, die ich nicht erreichen konnte, da zu unserer Besichtigungszeit ein Teilbereich als Baustelle gesperrt war. Unter anderem sind unter wikipedia folgende Details nachzulesen: „… Die Oberfläche des Platzes beträgt 50.000 m², von denen 19.000 m² bebaut sind und die restlichen 31.000 m² offene Fläche darstellen. Ringsum befindet sich ein Kanal mit 515 Meter Länge. Dieser wird überquert von 4 Brücken, welche die vier alten Königreiche Spaniens (Kastilien, León, Aragón und Navarra) repräsentieren sollen“.

Sevilla, Plaza de Espana, kunstvoll bemalte Keramiksäulen und Ornamente an verschiedenen Geländern, Foto Ute Boysen
Sevilla, Plaza de Espana, Teilansicht der Anlage, Foto Ute Boysen

Wir waren absolut überwältigt von der Schönheit dieser Anlage, die erst im Jahr 1924 begonnen und vier Jahre später beendet wurde.

Am nächsten Tag erlebten wir den „Alcázar von Sevilla“ und wieder konnte uns eine historische Anlage sehr beeindrucken. Diese königliche Anlage beherbergte im Laufe ihrer Entstehungs- und Erweiterungsgeschichte die verschiedensten Herrscher unterschiedlichster Herkunft und Religion. Was sich bis heute erhalten hat in den kunstvollen architektonischen Gebäuden, Säulen, Innenhöfen, um nur einige zu nennen. Weitläufig ist dieser Alcázar und prächtig in seiner Vielfalt.

Sevilla, Alcázar, Blick in einen Innenhof, Foto Ute Boysen
Sevilla, Alcázar, Innenbereich mit hohen Deckenarbeiten, kunstvoll gestaltet, Foto Ute Boysen

Die faszinierende historische Geschichte kann ich hier aus Platzgründen gar nicht wiedergeben. Daher verweise ich auch hier auf www.wikipedia.org. Es mutet fast schon wie eine Stadt innerhalb der Stadt Sevilla an, denn der königliche Palast umfasst so viele verschiedenartige Gebäudekomplexe, Mauern und Gartenanlagen, faszinierende Stuckarbeiten, Fliesenwände und vieles mehr, die wir solchermaßen bisher noch nicht gesehen haben, dass ein Plan des Alcázar unbedingt notwendig erscheint zum Erkunden. Die detaillierten Beschreibungstafeln sind jedoch immer in spanischer und englischer Sprache vorhanden.

Sevilla, Alcázar, Innenräume königlich gestaltet mit arabischen Ornamenten und handgefertigten Fliesen, Foto Ute Boysen
Sevilla, Alcázar, königliche Räume und Säle, kunstvolle Fliesenarbeiten, Ute Boysen

So ist der Alcázar von Sevilla in seiner langlebigen Historie durchaus als „arabischer Alcázar“, als „mudejarischer Alcázar“, „gotischer“, „romantischer“ oder „Alcázar der Renaissance“ zu benennen, da sämtliche Einflüsse der verschiedenen Epochen im Baustil eingeflossen sind. Bemerkenswert ist jedoch, dass die jeweiligen Herrscher die vorherigen architektonischen Elemente und Gebäude würdigten und in ihre eigenen Vorstellungen integrierten. So entstand über die rund 2000 Jahre ein Komplex, der sowohl islamische als auch christliche Elemente stilvoll und überaus sehenswert vereint.

Sevilla, Alcázar, königliche Schlafgemächer, Foto Ute Boysen

Der Königspalast beispielsweise ist dermaßen prunkvoll verziert in den Deckenkonstruktionen, den Wandfliesen und Rundbögen, dass dem Betrachter keine Zeit gelassen wird, diese Eindrücke verarbeiten zu können. Bedenkt man dann noch die Zeit der Entstehung und die Tatsache, dass von den Holzdeckenkonstruktionen bis zu den handbemalten Fliesen alles völlig ohne Maschinen und Geräte erschaffen wurde, dass die faszinierenden Stuckarbeiten komplett von Hand gefertigt entstanden, dann ist das Erstaunen noch einmal so groß.

Sevilla, Alcázar, Kuppeldach im Königspalast, kunstvolle komplette handwerkliche Holzkonstruktion, später verziert mit Spiegelelementen, Foto Ute Boysen

Nun denken Sie möglicherweise, dass Stuckarbeiten selbst in alten Kirchen und Kathedralen unseres Landes vorhanden sind. Doch ich beschreibe hier den ältesten Bereich des Alcázar, der zum so genannten „Gipspalast“ gehörte. Die hier erhaltenen Gipsornamente auf Säulen oder an Wänden, stammen aus der jahrhundertelangen Herrschaft der Araber in Sevilla, die nicht nur damit ihre Spuren hinterließen. Alle Zierelemente und Gitter, Gipsrosetten oder Bogengänge erschienen filigran trotz Größe oder Höhe und finden sich auch im „Gipshof“ wieder.

Sevilla, Alcázar, Innenhof mit filigranen Gips-Rundbögen, Foto Ute Boysen
Sevilla, Alcázar, Rundbögen aus Gipsornamenten, arabisches Kunsthandwerk, Foto Ute Boysen

So findet man überall im Alcázar die islamischen und christlichen Ornamente wieder, die im „Botschaftersaal“ erstmals gemeinsam angewandt wurden. Diesen Saal besuchten wir mit gemischten Gefühlen, denn viele Urteile wurden hier über Angeklagte gesprochen. Weiterhin gibt es den „Jagdhof“ oder „das Admiralszimmer“ zu besichtige. Der im 14. Jahrhundert errichtete Palast des kastilischen Königs Peter I. ist an Pracht kaum zu überbieten. Hier wie sonst an keiner Stelle des Alcázar vereinen sich in überschwänglicher Form und Anzahl die künstlerischen Elemente des Orients und Okzients.

Die vielen Säle, jeweils anderen Herrschern zugeordnet und erhalten, die Innenhöfe, die prachtvolle Gestaltung des Prinzenzimmers oder der königlichen Räume – all‘ das zu beschreiben, was wir gesehen und bestaunt haben, ist mir hier kaum möglich.

So bleibt mir zu sagen: Wir haben von Sevilla nur zwei der wundervollen Sehenswürdigkeiten aus Zeitgründen erkunden können. Und allein dafür lohnt sich eine Reise in diese Stadt! Wir werden wiederkommen, um noch mehr von dieser Geschichte zu erleben, die so einzigartig die arabische und westliche Welt in ihrer Architektur und Kunst vereint.

Am nächsten Tag starten wir erwartungsvoll nach Cordoba.

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