Skilanglauftour quer durch Finnland – Teil 1

Skilanglauf, Manfred Frede im finnischen Wald, Foto Manfred Frede privat

Aktiv in jedem Alter

60 Jahre alt war Manfred Frede, als er aufbrach zu einer für ihn herausfordernden Skilanglauftour von der Grenze Russlands zur Grenze Schwedens – quer durch Finnland, die der Nichtsportler eher als abenteuerlich und aufregend bezeichnen würde. Wie kam es dazu? War dies die Erfüllung eines Lebenstraumes oder eher eine spontane Idee? Was bewegt einen Menschen in diesem Alter dazu, solch eine nicht nur für Laien eher strapaziöse Tour anzugehen?

Manfred Frede schmunzelt zu diesen Fragen und beginnt zu berichten: „Im Krieg 1944 etwa lernte ich als Jugendlicher in Oberbayern das Alpinskilaufen. Und später dann mit Frau und Kindern fuhren wir auch immer weiter zum Skilaufen, dann aber nach Oberndorf/Österreich. Als der Betrieb auf den Skipisten immer lebhafter und ungeordneter wurde und ich keine Ruhe mehr für die Natur fand, stieg ich langsam um auf den Langlauf.“

Skilanglauf, Koasalauf Start, Foto Manfred Frede privat

Frede gefiel der Langlauf so gut, dass er fünf Mal am Österreichischen „Koasalauf“ (Kaiserlauf) teilnahm. Eine Strecke von immerhin 42 bis 72 km Länge. Dieser Sport ließ ihn nicht mehr los. Die Stille und Schönheit der Natur im Schnee nahmen ihn endgültig gefangen.

Und dann schließlich erreichte ihn im November 1989 die Einladung eines Finnischen Reisebüros in Deutschland. Dieses war gerade dabei, weltweit interessierte Teilnehmer für eine besondere Skilanglauftour zusammen zu stellen. Unter dem Motto „Von Grenze zu Grenze am Polarkreis“ sollte im März 1990 diese 360 km lange Tour stattfinden.

Skilanglauf, Manfred Frede vor dem Flieger, Foto Manfred Frede privat

Frede’s Frau letztendlich sagte den entscheidenden Satz: „Manfred, wenn Du es jetzt nicht machst, dann machst Du es nie mehr!“ 60 Jahre alt war er – und legte los! „Gleich am nächsten Tag startete ich mit einem selbst erarbeiteten Trainingsprogramm. 8 bis 10 km Joggen, auf die Rolle gegangen mit meinem Rennrad im Keller für 30 Minuten und anschließendes Hanteltraining für 20 Minuten – täglich,“ erzählt Frede und weiter „meine Leistungen steigerten sich natürlich kontinuierlich, weil ich in diesen vier Monaten ohne Unterbrechung mein Training durchhielt, auch Heiligabend und Silvester.“

Im März 1990 war Frede dann in guter Form, wie er selbst sagt, und flog los nach Helsinki. Von dort ging es weiter per Propellermaschine nach Kuusamo im Norden Finnlands, circa 35 km entfernt von der russischen Grenze am Polarkreis. Dort befand sich das Skilager „Oivanki“. Mit dem Bus ging es weiter nach Saunavaara, ins direkte Grenzgebiet. Der Senior hatte bereits im Deutschen Reisebüro einen Gasthof empfohlen bekommen, der sich in einer umgebauten Schule befand. Als Frede nun nach langer Reise in der damaligen Flughafenbaracke (heute ein moderner Flughafen) erst einmal nach einer ruhigen Ecke suchte, fiel ihm eine Frau mit Pappschild auf. „Mr. Frede“ stand dort geschrieben und es stellte sich heraus, dass die Gastwirtin ihn persönlich abholte. Das britisch-finnische Gasthofsehepaar betreute Frede die ersten drei Tage, die er zur Akklimatisierung und zum Einlaufen nutzte.

Hört sich für den Nicht-Langläufer bereits die Anreise sehr anstrengend und umständlich an, dann staunt auch der Hin-und-Wieder-Langläufer angesichts der Tourenbeschreibung der Strecke. Immerhin war Manfred Frede bereits 60 Jahre alt. Was wäre bei einem Unfall oder bei Krankheit passiert? „Diese Langlauftour konnte ohne Altersbeschränkung jeder mitmachen. Bei Bedarf war aber ärztliche Betreuung möglich“, erklärt der Senior.

Skilanglauf, Loipe und Teilnehmer, Foto Manfred Frede privat

„Jeden Morgen erhielten wir Teilnehmer in Englisch Anweisungen zur Loipenbenutzung (gespurte Loipen sind von Gemeinden ausgearbeitete langlaufnutzbare Wegenetze). Es war extrem wichtig, nur den gelben Fähnchen zu folgen, die als Markierungszeichen angebracht waren, denn ein Abweichen auf Nebenloipen wäre sehr gefährlich geworden. Etwa zwei Kilometer hinter dem letzten Läufer fuhr ein Skibob, was eine gewisse Sicherheit darstellte. Vor Einbruch der Dunkelheit musste das tägliche Ziel von durchschnittlich 50 km erreicht sein“.

Am ersten Tag, so erzählt Frede, sei er noch sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen und allein losgezogen. Abends kam er als einer der zehn letzten Teilnehmer am Ziel an. Am nächsten Morgen wurde er von einem Finnen angesprochen. Dieser hatte ihn beobachtet und wollte gerne mit ihm zusammen den Lauf fortsetzen. Er sei sehr erstaunt gewesen über Frede’s Alter und Technik und so weiter und die beiden Männer beschlossen das gemeinsame Weiterlaufen. Der Finne gab Manfred Frede so manch guten Tipp und Trick zur Laufverbesserung und es ergab sich in den folgenden Tagen eine große Kameradschaft zwischen den beiden Läufern.

Nach und nach lernten sich die Teilnehmer der Gruppe besser kennen. So nahmen beispielsweise auch ein ehemaliger Deutscher Meister im Skilanglauf und ein ehemaliger Schweizer Meister am Lauf teil. Läufer aus den USA und Japan, aus Österreich, Finnland, Schweden und Italien gehörten zur Gruppe und immerhin auch etwa zehn Deutsche. Unterhaltungen wurden in der Verständigungssprache Englisch geführt.

Manfred Frede erinnert sich gern an seine sportliche Herausforderung zurück und hat auch die kleinsten Begebenheiten wie damals vor Augen. „Als Unterbringungsstationen wurden Pensionen oder Schulräume in den kleinen Gemeinden zur Verfügung gestellt.“ Vorsichtig frage ich nach den sanitären Möglichkeiten und Frede lacht: „Ja, das war nicht ganz so einfach! Aber Waschbecken gab es schon.“ Geschlafen wurde auf dem Fußboden. Iso- und Sportmatten dienten als Unterlage und der Schlafsack reichte aus. Im Monat März mit gemäßigten finnischen Temperaturen bei –15 Grad Celsius ging das wohl… Wo möglich, konnte eine Sauna benutzt werden und die Langlaufteilnehmer genossen diese Abwechslung.

Im 2. Teil des Skilanglaufberichtes erfahren Sie mehr über die Tour und wie es weiter ging.

 

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