Skilanglauftour quer durch Finnland – Teil 2

Skilanglauf, Manfred Frede vor Schildern, Foto Manfred Frede privat

…..wo möglich, konnte eine Sauna benutzt werden und die Langlaufteilnehmer genossen diese Abwechslung.

Der Senior erzählt begeistert und sehr anschaulich weiter und ich kann mir die Szenerie bildlich vorstellen dort hoch oben im weißen Norden Europas.  Mann hinter Mann im Windschatten, abwechselnd die Führung übernehmend, bahnten sich die Teilnehmer ihren Weg durch die tief verschneite Landschaft. Mal über weite  Ebenen, mal durch die finnischen Waldgebiete. Die Loipen befanden sich in unterschiedlichem Zustand und Matsch und Schneeverwehungen erschwerten den Lauf.

Skilanglauf, Urkunde 1990, Foto Manfred Frede privat

Doch schließlich nach sieben anstrengenden Tagen erreichte Manfred Frede das Ziel: Tornio in Schweden, am Bottnischen Meerbusen. Ausgepowert aber glücklich, sagt er auch heute noch. Kein Unfall und keine Krankheit hatte die Freude an seiner Tour gemindert und lediglich einige Blasen an den Füßen durch neue Schuhe zeugten noch von der Kraftanstrengung.

Zum Abschluss fand ein gemeinsamer Abend im Hotel statt, an dem in ausgelassener Stimmung sehr viel Stolz über die eigene Leistung gefeiert wurde. Nachdem die Teilnahme-Urkunden und Medaillen verliehen wurden nahmen sich die Läufer noch viel Zeit den Lauf und seine Besonderheiten zu besprechen.

Eine ganz besondere Woche ging zu Ende und Manfred Frede war fasziniert. Dieses Erlebnis wollte er gerne wiederholen. 1995 war es dann so weit – mit nunmehr 65 Lebensjahren machte er sich auf den Weg, diese besondere Skilanglauftour erneut zu meistern.

Skilanglauf, Bob und Teilnehmer, Foto Manfred Frede privat

Inzwischen hatten Umwelt- und Naturschützer erreicht, dass ein großer Teil der ehemaligen Route für die Langläufer gesperrt wurde. Rentiere, Wölfe und Bären siedelten in diesen Waldgebieten und sollten nicht gestört werden. Daraus ergab sich nun allerdings eine um 80 km erweiterte Skilanglaufroute mit einer Gesamtlänge von 440 zu bewältigenden Kilometern. Die täglich zurückzulegende Distanz sollte jetzt auch schon mal 80 km betragen.

Zudem hatte Frede nun das 65. Lebensjahr erreicht und galt als ältester Teilnehmer des Laufes.

Doch von Anfang an: Manfred Frede flog also mit der Finnair von Düsseldorf nach Helsinki und die Aufregung war nicht mehr ganz so groß wie noch fünf Jahre zuvor. Mit der Ruhe war es jedoch vorbei, als der letzte Koffer das Gepäckband verlassen hatte und die komplette Skiausrüstung des Seniors fehlte. Aufbruch zu einem Skilanglauf-Cup ohne Ausrüstung? Der Senior meldete den Vorgang mit den Worten „Where are my ski?“ (Wo sind meine Ski?) und erhielt die freundlich-humorvolle Antwort: „I think may be on the way to Rio“ (Ich denke vielleicht auf dem Weg nach Rio).

Womit ihm nicht wirklich geholfen war, aber der ärgste Ärger verging angesichts eines umgehend ausgestellten Gutscheines für eine komplette neue Ausrüstung. Also weiter nach Kuusamo und diese dort besorgen.

Skilanglauf, Teilnehmer vor Blockhütte, Foto Manfred Frede privat

Eine weitere, im Nachhinein witzige Begebenheit erzählt Frede: „Es herrschte mal wieder ein starker eisiger Wind und ich heftete mich an die Fersen eines Italieners. Mit gesenktem Kopf übersahen wir beide die so wichtigen gelben Markierungsbändchen und bogen nacheinander falsch ab. Dieses Verlaufen dauerte nun schon fünf bis sechs Kilometer an, als wir zufällig auf eine der sehr seltenen Holzhütten trafen. Und wiederum zufällig war diese gerade von Feriengästen bewohnt, die sich in der Gegend auskannten und den richtigen Weg weisen konnten.“

Frede und sein italienischer Laufkollege fanden zurück zur Loipe, nachdem sie den Stromleitungen gefolgt waren. Das hätte allerdings auch ganz anders ausgehen können, denn auf den 50 bis 80 km langen Tagesstrecken liegen in der Regel höchstens drei Kontrollstationen frei in der Landschaft. Von Station zu Station wurde das große Gepäck der Laufteilnehmer per Bus transportiert. Im Rucksack führte jeder Läufer nur seine Tagesverpflegung, Getränke, Erste Hilfe Gegenstände und Skiwachs mit.

Mit Salzgurken, Heidelbeersaft oder Heißgetränken konnten sich die Langläufer kurz stärken, um zur nächsten Tagesetappe aufzubrechen. Ein Abweichen von diesen Routen ist also in jedem Fall gefährlich.

Auch diese langen 440 Kilometer quer durch Finnland schaffte Frede unversehrt an Leib und Seele und mit dem höchst zufriedenen Gedanken, auch das noch einmal geschafft zu haben.

Heute genießt Manfred Frede, was das Reisen angeht, geruhsamere Zeiten.

 

 

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