Tanzcenter Heitmann-Wels

Der Doppelname mit weltbekanntem Hintergrund

Tanzcenter Sabine Heitmann und Freimut Wels, Foto Gesine Wels privat

Nun ja, mag man denken, weltbekannter Hintergrund? Ist das nicht etwas weit her geholt? Bei „unserem“ Tanzcenter Heitmann-Wels? Doch lassen Sie sich zurückversetzen in das Jahr 1899 nach Köln. Sabine Heitmann wird dort als letzter Spross einer sehr wohlhabenden Kölner Familie geboren, die einen weltweiten Bekanntheitsgrad erlangte.

Vater Heitmann gründete 1884 das Unternehmen Gebr. Heitmann Köln, welches bekannt wurde durch seine Farben. 1969 fusionierten die ehemals konkurrierenden Firmen Brauns und Heitmann. „Farben, mit denen auch zu Hause gefärbt werden kann“ sowie über die Jahre eine kontinuierlich gewachsene Produktpalette machten die Namen bekannt. Sabine Heitmann wuchs also  in behütetem, überaus wohlhabendem Umfeld auf. In den 20er Jahren, die junge Frau durfte nie arbeiten gehen, gab sich Sabine Heitmann ganz ihren künstlerischen Begabungen hin. Als sehr gute Sängerin, Tänzerin und Pianistin war es ihr nur erlaubt unter einem Pseudonym aufzutreten, denn das Künstlertum hatte in diesen Jahren keinen hohen Stellenwert und die Familie fürchtete um ihren guten Ruf.

Die Kriegsjahre machten diesem Leben ein jähes Ende und die Familie Heitmann musste in Köln ihre Villa mit sieben Zimmern räumen. Das gesamte Hab und Gut wurde zur Rettung nach Ahaus ins Wasserschloss gebracht, in dessen Nähe Verwandte und Bekannte der Heitmanns lebten. Der ganze Rest der Familie siedelte etwa 1944 nach Ahaus um.

Tanzcenter, Sabine Heitmann, Foto Gesine Wels privat

Sabine suchte erneut nach einer Tätigkeit und begann „für die Soldaten zu singen“, wie sie es selbst nannte. Während sie eines Abends wieder solch’ ein Konzert zur Unterhaltung der Soldaten gab, wurden das Haus ihrer Familie sowie das Wasserschloss Ahaus durch einen Bombenangriff vollständig vernichtet und sie verlor bis auf einen Bruder, der in einer anderen Stadt lebte, alle Angehörigen sowie ihren ganzen Besitz. Zwei Schränke konnten vor der Zerstörung gerettet werden – einer davon befindet sich als Andenken noch heute im Besitz von Gesine Wels.

Sabine Heitmanns Bruder übernahm die Firma in Köln und zahlte sie auf eigenen Wunsch aus. Was ihr blieb? Nach der Währungsreform 1948 stand sie mit 40 DM Bargeld vor ihrem Leben und fragte sich, wie es weitergehen solle. „Du musst Gesang und Tanz lehren, wenn Du Geld verdienen willst“, rieten ihr Freunde und so erlernte sie in Essen den Beruf der Tanzlehrerin. Ein gewisser Grad an Berühmtheit brachte den damaligen Bürgermeister von Ahaus dazu, Heitmann zu unterstützen, da sie eine kulturelle Bereicherung für den Ort darstellte.  In einer kleinen Wohnung gab sie Gesangs- und Tanzstunden und Freimut Wels wurde einer ihrer Schüler.

Allerdings stellte Heitmann im Alter von knapp 50 Jahren fest, dass sie „Null Orientierung“ besaß und dringendst Hilfe benötigte. Kurzerhand fragte sie Freimut Wels, ob er sie nicht begleiten könne, um sich die zu erlernenden Schrittfolgen für sie zu merken. Wels war einverstanden und fuhr von da an mit. Die beiden begannen in dem kleinen Zimmer der Wohnung den Bürgermeister und einige Paare kostenlos im Tanz zu unterrichten. Doch es war sehr kalt und Heitmann baute sich ein Zelt in einem der Räume auf, weil es wärmer war, darin zu schlafen. Geld musste her und die Tanzlehrerin begann ihr großes vorhandenes Begabungspotential  mit dem Erlernten zu kombinieren. Der Gesangs- und Tanzunterricht entwickelte sich gut und wurde über die Stadtgrenze hinaus bekannt.

Tanzcenter, Sabine Heitmann und Freimut Wels, Foto Gesine Wels privat

Sabine Heitmann und Freimut Wels begannen abends in andere Städte zu fahren, um Gruppenunterricht zu erteilen oder Kurse in kleinen Gaststätten abzuhalten. Neben seiner Berufstätigkeit wurde das aber sehr schnell zu anstrengend. Wels gab seine Arbeitsstelle auf, absolvierte intensiv eine Tanzlehrerausbildung beim ADTV und unterstützte den weiteren Aufbau.

Ab 1958 besuchte die damals 5jährige Gesine Brix die Ballettausbildung in der Tanzschule. So kamen erstmals die Menschen zusammen, die der heutigen Tanzschule Heitmann-Wels ihre Namen gaben. Später erkrankte Vater Brix schwer und nur eisernes Tanztraining, angeraten von seinen Ärzten, ließ ihn vollkommen von einer Beinlähmung genesen. Aufgrund seiner positiven Erfahrung mit dem Tanzen baute er mit dem VFL Ahaus eine Tanzsportabteilung auf.

Parallel dazu arbeitete Freimut Wels intensiv an einer zusätzlichen Ausbildung und gehörte damit zu den ersten 19 ausgebildeten Tanzsporttrainern Deutschlands.

Zwischen Sabine Heitmann und Gesine Brix entstand eine besonders enge Beziehung, da die 14 Jährige bei den Choreografien für die Kindergruppen mithalf. Schließlich lernten sich Freimut und Gesine kennen. Er unterrichtete sie und ihren Tanzpartner Bernd Kosmann und die beiden erreichten die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft 1971.  Im gleichen Jahr heirateten Freimut und Gesine.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Tanzschule Heitmann bereits von Wels geführt und Sabine Heitmann konzentrierte sich ausschließlich auf Gesang und Ballet. Sie lebte und wohnte bis zu ihrem Tod 1987 mit ihrer Familie Wels zusammen, da sie niemals eine eigene gegründet hatte und sah diese Menschen als ihre engsten Vertrauten an. Bis eine Woche vor ihrem Tod  erteilte die 88Jährige noch Unterricht und nahm selbst Klavierstunden.

Wie es mit der Tanzschulenentwicklung weiter ging erzählt Ihnen die Chronik auf der Seite www.tanz-center.de

 

 

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