Verändern wir uns durch die Corona-Pandemie?

Corona, Geschäftsmann mit Zeitung, Foto Gerd Altmann auf pixabay

Zur gegenwärtigen Corona Situation machen sich mehr oder weniger alle betroffenen Länder, Politiker, Bürger ihre Gedanken. In erster Linie natürlich darüber, wie wir dieses Virus erfolgreich eindämmen, bekämpfen können. Aber ich glaube, dass es auch sehr vielen Menschen geht wie mir. Ich denke darüber nach, ob und wenn ja, wie wir uns persönlich oder gesellschaftlich durch diese Krise verändern werden. Oder nennen wir es Katastrophe?

In einer Ausgabe der Zeitschrift „Wunderwelt Wissen“ (Ausgabe 6 vom Juni 2012) fand ich die Aussage des Soziologen Jörg Bergmann: „Eigentlich braucht die Gesellschaft große Katastrophen als ‚Anstoß für soziale Wandlungsprozesse‘“. Das Zitat stammt zwar aus dem Bericht „Die dunklen Prophezeiungen der Weltgeschichte“, doch ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir uns weltumspannend seit vielen Monaten innerhalb einer Art Katastrophe bewegen, die unsere privaten, persönlichen und gesellschaftlichen Verhaltensweisen nachhaltig verändern oder schon verändert haben.

Wie ich darauf komme? Ich konnte es im Andalusien-Urlaub feststellen. Die Spanier des südlichsten Landesteiles sind lebhafte, fröhliche, laute und übersprudelnde Menschen. So kennen und lieben wir sie seit fast 40 Jahren. Doch die Verhaltensänderung durch die Corona-Krise konnten wir sofort und unmittelbar spüren. Weit stärker als in unserem eigenen Land. Ruhiger, ernster und verhaltener in ihrer ganzen Art und Weise, diszipliniert im Umgang mit der Maskenpflicht, vorbildlich in Sachen Hygiene in Geschäften oder Restaurants. Selbst Strandspaziergänger tragen überwiegend die Maske und die Mehrheit der Andalusier hält sich an alle Vorgaben.

Aber die gewohnte Leichtigkeit, die Fröhlichkeit fehlen. Das hat mich persönlich schon sehr betroffen gemacht. Schaut man sich dann die Vielzahl der geschlossenen Geschäfte an, die Restaurants und kleinen Tapas-Bars, die nicht überleben konnten und die Fensterscheiben zugemalt haben, dann wird noch wieder eine andere Traurigkeit bemerkbar. Der wirtschaftliche Aspekt tritt in den Vordergrund und da bleibt für Fröhlichkeit und Lachen keine Zeit.

Also verändern wir uns durch die Pandemie? Oder verhalten wir uns nur vorübergehend anders? Ist das veränderte Verhalten eine Momentaufnahme? Oder wurde tatsächlich ein sozialer Wandlungsprozess eingeleitet? Sind wir hilfsbereiter als zuvor? Ich denke, ja. Kümmern wir uns mehr um Familie, Freunde, Bekannte oder Nachbarn? Auch dazu, denke ich, haben wir uns positiv verändert.

Die Mitmenschen, die eine völlig andere Einstellung und Meinung zum Corona-Virus haben und diesen als nicht existent ansehen, beziehe ich in diesen Bericht nicht ein. Ohne einen Mund-/Nasenschutz laut die negativen persönlichen Ansichten in vorgehaltene Mikrofone zu rufen und sich zu Tausenden dicht gedrängt und lachend über den Rest der Welt lustig zu machen zeigt mir nur, dass an jener Stelle sicher gar keine Bewusstseins- oder Verhaltensänderung anzunehmen ist.

Ein Wandlungsprozess wird sich im Arbeits- und Berufsleben offenbaren und hat schon in zahlreichen Branchen stattgefunden. Durch das Arbeiten daheim (home-office) oder die Kurzarbeit-Möglichkeiten. Mehr und mehr werden Unternehmen Umstellungen vornehmen in Bezug auf die Arbeitszeiten oder die Arbeitsorte. Soweit möglich natürlich nur. Doch ein Umdenken hat bereits stattgefunden. Und nicht wenige Berufstätige freuen sich über gewonnene Freizeit, da nervenaufreibende Fahrten zur oder von der Arbeit, im Stau stehend nicht mehr stattfinden müssen. Zumindest momentan.

Selbst unser Kaufverhalten hat sich verändert. Nicht zuletzt durch die lange Zeit der geschlossenen Geschäfte. Online-Käufe im Internet ließen uns trotzdem kaum etwas vermissen. Und neue Kleidung? Die brauchten wir für lange Wochen und Monate auch nicht unbedingt, denn, wenn wir doch nur größtenteils zu Hause saßen, dann war ein neues Kleidungsstück nicht wirklich wichtig. Sehr zum Leidwesen des Handels.

Also sehen wir Veränderungen an uns selbst, an unserem Kaufverhalten, an unserem sozialen Umgang mit anderen und auch im Berufsalltag. Ob dies schon als Wandlungsprozess bezeichnet werden kann oder wir irgendwann zurückkehren zur altgewohnten Realität, das wird die Zeit erst zeigen. Ich denke, je länger der Corona-Modus anhält, umso mehr verändern wir uns und unsere Gewohnheiten. Dauerhaft.

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