Verein zur Förderung der Bewährungshilfe

Soziales Engagement mit hoher Kompetenz

Bewährungshilfe Hinweisschild, Foto Ute Boysen

Ist von Vereinen die Rede, so denkt man zunächst an die bekannten Fußballvereine, vielleicht an die ortsansässigen Turnvereine oder den Kneippverein. Wo vorhanden, da fällt uns auch noch der Heimatverein ein. Doch viele eher unbekannte Vereine arbeiten im Stillen und leisten fast schon unbemerkt mit großem sozialen Engagement Großartiges. So beispielsweise der Verein zur Förderung der Bewährungshilfe Bocholt/Borken e.V., für den Willi Thörner (80) bereits seit 2001 als Vorsitzender tätig ist. Ehrenamtlicher Einsatz in der Bewährungshilfe?

Wie kann, wie muss das aussehen? Welche Voraussetzungen sind dafür unumgänglich und was sind das für Menschen, die sich dieser schwierigen Aufgabe stellen? Fragen, die ich Thörner persönlich stelle und Folgendes erfahre: „Nach meinem Studium Sozialarbeit begann ich beim Kreis Borken zu arbeiten, war im Jugendamt der Stadt Bocholt tätig und von 1975 – 2001 vom Landgericht Münster als hauptamtlicher Bewährungshelfer in der Dienststelle Bocholt eingesetzt.“

„Unmittelbar nach dem Mauerfall wurde ein Gremium von fünf Personen aus Lehranstalten und Justiz gebildet, dem ich auch angehörte. Es gab nämlich in der früheren DDR keinen Beruf Bewährungshelfer und auch keine andere vergleichbare Hilfe,“ berichtet der Senior. Also arbeiteten diese fünf Fachleute aus unterschiedlichsten Bereichen ein „Ausbildungsprogramm für den Einsatz von Bewährungshelfern in den neuen Bundesländern“ aus. 1991 wurden Willi Thörner, Bocholt und Theo Rensmann, Vreden mit der praktischen Umsetzung dieser Ausarbeitung beauftragt. Fünf Jahre später schauten die beiden auf die stattliche Zahl 400 ausgebildeter Bewährungs- und Gerichtshelfer in den neuen Bundesländern zurück.

Aus diesem beruflichen Werdegang und Einsatz ist unschwer abzulesen, dass Willi Thörner im Ruhestand nicht untätig bleiben wollte. Im seit 1957 bestehenden Verein zur Förderung der Bewährungshilfe fand er einen neuen, ehrenamtlichen Wirkungskreis und seit nunmehr 16 Jahren leitet er den Verein als Vorsitzender. Gegründet wurde dieser Verein zur Unterstützung der hauptamtlichen Bewährungshelfer. Mich interessiert nun, welche Aufgaben dieser Verein übernehmen kann, welche ehrenamtlichen Einsätze möglich sind. Der Senior erklärt mir, dass im Rahmen dieser Tätigkeit keine Betreuung stattfindet, sondern nur organisatorische Aufgaben, die dennoch maßgeblich dazu beitragen straffällig gewordene Menschen bei der Resozialisierung zu unterstützen.

Als Beispiel nenne ich hier einmal eine Familie aus dem zu betreuenden Bereich. Der zuständige hauptamtliche Bewährungshelfer wendet sich mit folgendem Anliegen an den Verein:  Eine Stromrechnung kann nicht bezahlt werden und das Abschalten durch den Stromanbieter droht, ein Kinderbett ist zerbrochen oder eine Mietkaution muss geleistet werden. Situationen, die sofortige Hilfe erfordern. Mit Sachleistungen oder Übernahme der finanziellen Leistungen in Vorkasse kann hier der Verein helfen.

Zum besseren Verständnis lasse ich mir die Vereinsarbeit detaillierter erklären und erfahre, dass im Gegensatz zur verurteilten Geldbuße an die Gerichtskasse auch Geldbußen verhängt werden, die an den Verein zur Förderung der Bewährungshilfe gezahlt werden müssen. So stellen die Richter in Deutschland sicher, dass der Verein Gelder zur Ausübung dieser unterstützenden Arbeit zur Verfügung gestellt bekommt. Die erfolgten Zahlungen der Verurteilten meldet Thörner im Rahmen seiner Vereinsarbeit fast täglich den entsprechenden Gerichten.

Der Bewährungshelfer a. D. beschreibt auch das Einsatzfeld „Angehörige und Familien von Verurteilten“. Voraussetzungen für finanzielle Unterstützung müssen allerdings zeitaufwändig und umfangreich geprüft werden, um die vorhandenen Gelder sinnvoll einsetzen zu können.

„Das Projekt ‚Anti-Gewalt-Training‘ wird von uns angeboten und bei ausreichender Teilnehmeranzahl ausgeführt“, berichtet Thörner weiter und erklärt auch diese Vereinsarbeit genauer. „Die Teilnahme an diesem Training ist für die Straftäter entweder richterlich verfügt oder findet auf freiwilliger Basis statt. Ein bis zwei Mal jährlich wird dieses etwa drei Monate dauernde Training vom Verein angeboten, ausgeführt wird es jedoch von Sozialarbeitern (Fachkräfte des ambulanten Sozialen Dienstes –aSD- der Justiz der Dienststelle Bocholt) mit Zusatzausbildung. Die Kosten dieser Maßnahmen werden vom Verein übernommen.

Der Senior erzählt stolz von der Einrichtung einer Fachstelle im Verein für den Amtsgerichtsbezirk Bocholt/Borken. Hier wird der/die ehemalige Straftäter/in weiter vermittelt in eine gemeinnützige Einrichtung, denn es können sowohl Haftstrafen, Geldstrafen oder Gemeinnützige Arbeit richterlich oder staatsanwaltlich verfügt werden. In Frage kommen dafür vom Finanzamt anerkannte gemeinnützige Einrichtungen wie der Tierschutzverein, Sportvereine oder Kirchengemeinden. Im  Jahr 2016 konnte der Verein 90 Personen erfolgreich vermitteln.

Willi Thörner macht einen zufriedenen Eindruck. „Diese soziale Arbeit hält mich aktiv“, sagt er und dass er zur Weiterentwicklung des Vereins beitragen wolle. „Ich kann Erlerntes weitergeben, den Kontakt zu ehemaligen Kollegen und Mitarbeitern aufrechterhalten und letztendlich die weitere Entwicklung von ehrenamtlicher Notwendigkeit verfolgen und umsetzen“, schließt der Senior das Gespräch ab. Mein Resümee – beeindruckende Arbeit, die unseren Respekt verlangt.

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