VW Käfer – Stolz einer Nation

„Weißt Du noch?“

Jahreszahlen als wiederkehrendes Foto zur Serie „Weißt Du noch“, Foto Ute Boysen

Damals war es anders. Damals hatte man nicht schon mit 18 Jahren einen Führerschein. Und damals war die Auswahl an Auto-Modellen gering. Doch wurde ein Führerschein erworben und lange Zeit gespart für ein Fahrzeug, dann war es damals ganz sicher der VW Käfer, der als Stolz der Nation auch zum Stolz des Fahrzeughalters wurde.

Wie bei Erk Boysen, sen., verst. 2017, der auch erst nach der Familiengründung zu Fahrerlaubnis und Fahrzeug kam. 400 Deutsche Mark kostete der Führerschein im Jahr 1960 und das allererste Auto kaufte er für 700 Deutsche Mark einem Polizisten in Düsseldorf ab. „Das war ein Käfer Standard mit geteilter Rückscheibe, den ich aber nur kurze Zeit fuhr, denn bereits zwei Monate später war der Wagen kaputt“, erzählte der Senior.

Dieser plötzliche Luxus eines eigenen Autos, die Bequemlichkeit, Beweglichkeit und die Freude am Fahren wollte er nun nicht mehr missen. „Zwei Monate später hatte ich mich für ein besseres Modell des VW Käfer mit 34 PS und 1200 cm³ Hubraum entschieden. Natürlich war auch dies wieder ein Gebrauchtfahrzeug, denn mit einer kleinen Familie konnte sich, wie heute auch, nicht jeder ein ganz neues Auto leisten. Und dieser Wagen war wirklich robust und gar nicht reparaturanfällig“, erinnerte sich Boysen.

Erk Boysen sen. mit seinem VW-Käfer, Baujahr 1962, Foto Fam. Boysen privat

Mit der Zeit wurden hier und da Verschönerungen oder zusätzliche Extras angeschafft, wie zum Beispiel das erste Autoradio. Der Senior lachte herzhaft bei der Beschreibung, wie das damals ausgesehen hat. „Unter dem Handschuhfach war eine Halterung mit zwei Klappen montiert, in die ein passendes Kofferradio reingeschoben werden konnte. Steckte es dort fest, wurde es mit einem Kabel an die Autobatterie angeschlossen.“ Sogar den Herstellernamen des Radios (Firma Schaub-Lorenz) hatte er noch parat. Natürlich gab es noch nicht die Fahrzeuggrundausstattung mit einer Antenne, so dass auch diese noch werkstattseitig angebracht werden musste.

Das Wichtigste überhaupt war jedoch, dieses Kofferradio aufgrund der immens hohen Diebstahlsgefahr bei jedem Verlassen des Fahrzeugs mitzunehmen. Es folgten Anschaffungen wie Nebelleuchten, die als Extra separat gekauft werden konnten und später die Nackenstützen.

So ausgestattet plante die kleine Familie eine erste Urlaubsfahrt mit dem VW Käfer. Nach Bayern sollte es gehen und damals war es selbstverständlich, für eine solch lange Fahrt für die Verpflegung zu sorgen, wie gebratene Schnitzel und Kartoffelsalat, Butterbrote und Getränke. „Ach ja, da fällt mir gerade der Benzinpreis ein“, sagte Boysen und sprach von 50 Pfennig für einen Liter Treibstoff…

Je länger er erzählte, umso mehr Einzelheiten waren präsent: „Die Heizung war ja im Gegensatz zu heute immer an, nur wenn die Klappen geöffnet waren, ging die warme Luft ins Freie. Bei geschlossenen Klappen strömte sie ins Wageninnere. Und dann sind unterwegs die Seile gerissen – was nun? Ich habe dann die Klappen manuell mit Lappen zugestopft, damit die warme Luft ins Innere gelangte. Wurde es zu warm hielt ich an und entfernte die Lappen wieder“, lachte Boysen.

Das Fahren mit dem VW Käfer gestaltete sich abenteuerlich, doch der Spaß am Fahren und die Möglichkeiten und Freiheiten mit einem eigenen Auto unterwegs zu sein machten so manch ein kleines Problem wieder wett. Nach Österreich und nach Sylt fuhr die Familie und jeden Sonntag nach Köln zum Kaffeetrinken am Dom. Es war wohl so in dieser Zeit, dass ein eigenes Auto maßgeblich zur Freizeitgestaltung beitrug.

Und heute? Die  altbekannten Hersteller gibt es immer noch, wenngleich sie nicht immer unter ihrem ehemaligen Namen firmieren. Und wer sich heute die Autowerbung einmal ganz kritisch und genau anschaut, der wird schnell feststellen, dass ein Fahrzeug heute einen völlig anderen Stellenwert besitzt als damals. Der Fahrspaß ist geblieben, das wunderbare Freiheitsgefühl eines eigenen Autos können sicher gerade junge Leute bestätigen und mit der einen oder anderen Herstellermarke verbinden wir heute sogar Fahrereigenschaften. Wie auch immer – mich würde interessieren, ob Ferdinand Porsche schon damals bei der Entwicklung des VW-Käfer diese Visionen hatte.

Diesen Serien-Beitrag veröffentlichte ich im März 2013.

 

1 Kommentar

  1. Ein segr guter Artikel. Erinnert mich an meine jungen Jahre. Nicht nur mit dem VW machte das Fahren großen Spaß und war oft ein abendteuerliches Erlebnis, wie berichtet. Erinnerungen werden wach an alte Zeiten. Die Benzinpreise von damals sind heute gar nicht mehr vorstellbar. Ja, ja „die gute alte Zeit“ kann man da nur sagen. Oder: „lang, lang ist`s her“. Interessanter Bericht auf jeden Fall, um Erinnerungslücken aufzufrischen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here