Was steckt hinter „Kokolores“?

Allerlei merkwürdige Ausdrücke, oder?

Zunächst einmal bringt das Wort „Kokolores“ aus welchen Gründen auch immer die meisten Menschen zum Schmunzeln. Es hört sich ja auch wirklich lustig an, wenn mit spitzem Mund ein Wort mit drei „o“ ausgesprochen wird. Betrifft dieser Ausdruck etwas Humorvolles? Oder was steckt dahinter?

Gaukler, Mittelalter, Foto Momentmal auf pixabay

Vanessa B. (38) kennt das Wort, benutzt es aber nicht. „Es steht für Quatsch, Blödsinn. Erzähl nicht so ein Kokolores. Aber nicht streitsüchtig wird das gesagt, sondern eher in Plaudersituationen“, meint sie. Die 85jährige Seniorin Josefa dagegen antwortet auf meine Frage zur Bedeutung: „Alles durcheinander sagen, etwa ‚der spricht nur Kokolores‘, aber ich verwende das Wort selten.“

Wie so oft  muss ich auch bei diesem Ausdruck im Internet recherchieren. Hilfreich dabei ist die Etymologie, die sich mit allem beschäftigt, was sich um ein Wort rankt. So etwa die Herkunft, die Bedeutung oder die Historie des Begriffes. Das bedeutendste Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache von Friedrich Kluge wurde bereits im Jahr 1881 veröffentlicht und seitdem immer wieder erneuert, überarbeitet und erweitert.

Was sagt nun dieses Nachschlagewerk zur deutschen Sprachgeschichte über das Wort „Kokolores“? Ganz kurz zusammengefasst: „… ein Ausdruck für nicht ernst zu Nehmendes“. Es heißt „der Kokolores“, umschreibt mit diesem einen Wort „lautes, aber dummes Gerede, bedeutungsloses Gehabe und Unsinn“. In der Sprachverwendung heißt es häufig: „Erzähl nicht so ein Kokolores oder mach nicht so ein Kokolores“. Womit Vanessa B. also durchaus recht hatte mit ihrer Antwort.

Kokolores, Foto Hahn von capri23auto auf pixabay

Die Herkunft des Wortes scheint aber bisher nicht geklärt zu sein, denn in den unterschiedlichsten Gegenden unseres Landes und selbst in der französischen Sprache scheint es Wörter zu geben, die allesamt als Herkunftswort gelten könnten. So sind folgende Ausdrücke bekannt: Kokelores, Kokulores, kuckelöres oder gockelorum. Vermutet wird eine Ableitung vom Hahnenschrei, vom Begriff Gockel.

Allerdings könnte auch ein ganz anderer Herkunftsansatz zutreffen, denn ein alter Begriff für den bekannten „Gaukler“ lautete „gokeler“. So findet die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. (GfdS) Anmerkungen zum Wort „Kokolores“ in Heinz Küppers Lexika zur Umgangssprache, die sich ebenfalls auf Gaukler beziehen. Diese frühen Spaßmacher auf mittelalterlichen Märkten stehen ebenso für sinnbefreite spaßige Karnevals- und Fastnachtsreden wie manch‘ eine der heutigen Büttenreden und sind oft genug als „unglaubwürdig, unsinnig, dummes Zeug“ zu betiteln. Alles dient der Unterhaltung.

Wie auch immer die ursprünglichste Bedeutung des Wortes „Kokolores“ gewesen sein mag, es hat sich im gesamten deutschen Sprachbereich unseres Landes ein ähnlich klingendes Wort gefunden. In verschiedensten Mundarten, Dialekten oder Schreibweisen scheint es Erkennungsmerkmale zu geben und selbst im Englischen (the cock für „der Hahn“) und im Französischen (le coq für „der Hahn“). Es wird sicher heute nicht mehr herauszufinden sein, wo die tatsächliche Wortherkunft liegt. Es sind halt alles Vermutungen.

Ganz am Rande fand ich dann noch die Kurzbeschreibung zur Autobiographie der Schlagersängerin Marianne Rosenberg. Sie nannte ihr Buch, das im Jahr 2007 im Ullstein Verlag erschien „Kokolores“ – und machte mich mit diesem Titel richtig neugierig darauf, was in ihrem Leben  „nicht ernst zu Nehmendes geschah“.

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