Waschtage ohne Elektrizität

„Weißt Du noch?“

WDN, Waschen, Pressluft-Waschpumpe, Foto Ute Boysen privat

Als ich neulich zwischen einem Arzttermin und einem Lebensmitteleinkauf „mal eben kurz“ die Wollpullover in die Waschmaschine steckte und mit geübten Handgriffen die Pflegemittel in die entsprechenden Schubladen-Kammern der Maschine füllte, gingen mir blitzartig folgende Gedanken durch den Kopf: Du liebe Zeit, wie war das alles früher kompliziert und zeitraubend – die ganze Arbeit um die Wäsche.

Und damit meinte ich so in etwa die Zeit um 1960 herum. Das war die Zeit, als meine Mutter in der so genannten Waschküche stundenlang beschäftigt war und ich als kleines Kind daneben saß und staunte… Gehen wir allerdings noch weiter zurück in der Zeit, dann tut sich für den einen oder anderen Leser vielleicht eine ganz neue Welt auf, denn Seniorin Hermine M. (90), erzählte von der schweren Arbeit der Wäschepflege ab 1939.

WDN Waschen, Frau mit Zinkwanne und Waschbrett, Foto Dietmar Meinert_pixelio.de

„Ich erinnere mich noch gut an meine Tante Hannah“, erinnert sich die alte Dame. Besagte Tante hatte alle Hände voll damit zu tun die total mit Öl und Schmiere verdreckte Arbeitskleidung ihres Mannes zu reinigen. „Also wurden die Hosen und Jacken im Keller auf die Fußbodenfliesen gelegt und meine Tante kniete sich hin und schrubbte ewig lange mit einer Bürste und Seife die Flecken heraus“, weiß sie noch. Dabei ging es schon sehr fortschrittlich zu im Hause der Tante, weil im Keller bereits ein Brunnen mit Deckel vorhanden war, von dem aus ihr Onkel Rohre verlegt hatte. Die Kleidungsstücke wurden nach der Bürstenbehandlung ausgespült und von Hand ausgedrückt. Es ist sicher für jeden leicht vorstellbar, welch ein Kraftakt dieses Ausdrücken allein schon darstellte.

Seniorin M. weiß noch genau, wie sich nach und nach die Arbeiten rund um die Wäsche veränderten. „Zu meiner Schulentlassung 1941 war es dann schon so, dass die schmutzige Kleidung mit Soda im Mantelpott eingeweicht wurde. Der Begriff „Mantelpott“ stammt aus dem Rheinland. Es handelt sich um einen großen Eisen- oder Kupferkessel, in dem ursprünglich nur das Viehfutter gekocht wurde. Doch Not macht immer auch erfinderisch und so funktionierten die Frauen damals kurzerhand den Mantelpott um und benutzten ihn auch für die Kochwäsche. „Ungefähr 200 Liter Wasser passten in den Pott und Tante Hannah gab ordentlich Schmierseife dazu“, erzählt sie. Unter diesen großen Wasserkesseln befand sich die geschlossene Feuerstelle, in die das Holz zum Befeuern gesteckt wurde.

Auf dem elterlichen Bauernhof der Seniorin ging es dagegen noch anders zu. Hier wurde die Wäsche in einer Zinkwanne und mit einem Waschbrett gewaschen – und das für zwölf Personen! Mit dem Sammeln und Auskochen von Efeublättern griff ihre Mutter auf alte Haushaltsweisheiten zurück, denn auf diese Art und Weise entsteht eine seifige Lösung, die dem Waschwasser hinzugefügt werden konnte. „Tja, “ sagt die alte Dame „gewaschen wurde sowieso nur einmal in der Woche, bei uns war der Montag der Waschtag. Wir hatten Kleidung für die Schule und für den Alltag und die Unterwäsche wurde nur einmal die Woche gewechselt – das war halt so, die Hygiene vor dieser langen Zeit war einfach anders. Entsprechend schmutzig muss man sich die Wäsche auch vorstellen und die Gerüche….“

1941/1942 kam die junge Hermine in den Haushalt eines Kaplans und wurde zur Köchin ausgebildet. Hier wurde das benötigte Waschwasser mit einer Kelle aus dem Gartenbrunnen geschöpft und in Eimern ins Haus getragen. In einem großen Fass oder in der Zinkwanne konnte nun die Wäsche mit Hilfe der hier vorhandenen Wäschepumpe (auch Wäschestampfer genannt) manuell gewaschen werden. Nach dem Ausspülen und Auswringen befestigten die Frauen die nassen Wäschestücke mit Holzklammern an Leinen oder im Haus auf Holzgestängen, den Vorläufern der heutigen Wäscheständer.

WDN Waschtage, nostalgische Persil Waschpulver Dose, Foto Ewald Betting

Wieder einige Jahre später, mittlerweile war Hermine verheiratet und hatte vier Kinder, konnten große Wäschestücke wie Bettwäsche zum Waschen und Mangeln zur Wäscherei gebracht werden. Eine enorme Erleichterung für die Hausfrauen, sofern sie das nötige Geld dafür aufbringen konnten. Die Seniorin berichtet davon, dass sie die so genannte „kleine Wäsche“, also alles außer Bettzeug, in Zinktöpfen auf dem Küchenherd auskochen und waschen musste und wie mühselig die Waschtage waren. „1960“, erinnert sie sich „bekam ich die erste elektrische Waschmaschine und konnte sie von oben füllen. Die Wäscheschleuder war direkt seitlich an der Waschmaschine angebracht, so dass beide Maschinen ein Teil bildeten. Ich war stolz darauf – aber in erster Linie erleichtert.“

Und heute? Unsere modernen Waschmaschinen waschen nicht einfach nur die Wäsche sauber – sie besitzen Programme für das Vorwaschen, Spülen und Schleudern in unterschiedlichsten Umdrehungszahlen. Es gibt Programme für Wollwaschgänge, Kochwäsche, Buntwäsche und Pflegeleichtes. Die Maschinen können im Energiesparmodus schonend viele Stunden lang die Wäsche behandeln oder für Zeitnot-Waschbedürfnisse in einer halben Stunde eine ganze Maschine voll Wäsche säubern. Sie besitzen Zeitschaltuhren und legen alleine los und wir dürfen gespannt sein auf die Zukunft dieser nicht wegzudenkenden Waschtechnik.

2 Kommentare

  1. Auch ich kann mich an diese Zeit der Waschtage ohne die modernen Waschmaschinen noch genau erinnern. – Ein guter Artikel aus alten Zeiten. Marlis R.

    • Hallo Marlis, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich über jedes kleine
      feedback! Ute

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