Weglassen = Unwahrheit?

Weglassen, Gartenanlage Nähe Kensington Palace London, Foto Ute Boysen

Fehlende Informationen

Anlass für diesen Bericht und damit verbunden zu meinen Gedanken ist eine kleine simple Nachricht in unserer Tageszeitung mit einem Foto der „dpa“ (Deutsche Presse Agentur) von Herzogin Kate, lächelnd im grünen Kleid. Genau dieses Kleid ist nun für zahlreiche Menschen im Internet und außerhalb desselben ein Anlass „…kontrovers zu diskutieren“ wie es in der Nachricht heißt.

Gut, es geht um die Verleihung eines britischen Filmpreises und alle anwesenden Damen trugen schwarze Kleidung, um zu signalisieren, dass sie in jeder Hinsicht hinter der „Time’s UP“-Initiative stehen (übersetzt „die Zeit ist vorbei“, eine Bewegung gegen sexuelle Belästigung oder Diskriminierung).

Hätte ich nicht tags zuvor ausführliche Berichterstattungen im TV zu eben diesem Anlass und Thema gesehen und gehört, so wäre ich sicher auch unangenehm berührt davon gewesen, dass Herzogin Kate nicht „mitmacht“ und ein grünes Kleid trägt. Wie kann sie nur? Warum verhält sie sich nicht solidarisch und steht auch öffentlich dazu? Gedanken wie diese entstehen aber nur, wenn eine Berichterstattung wichtige Hintergrunddetails nicht enthält. Weggelassen, vielleicht aus Platzgründen, aber dennoch weggelassen.

Und so entsteht schnell ein falsches Bild von einer Situation oder einer Person. Im Februar vergangenen Jahres veröffentlichte die Frauenzeitschrift „Brigitte“ 12 Regeln, die nicht einmal die britische Königin brechen darf. Dort ist nachzulesen, dass die royale Garderobe „…keine zweideutigen Botschaften aussenden darf“ und niemals „…eine politische oder gesellschaftliche Botschaft vertreten darf“, „Schwarz dürfe nur im Trauerfall getragen werden“. Damit ist doch alles gesagt, oder?

Und meiner Meinung nach hält sich Herzogin Kate vorbildlich an diese Kleidungs-Vorgabe, die uns vielleicht lächerlich oder nicht nachvollziehbar erscheinen mag, aber einen ernsthaften Hintergrund hat – die nach Außen demonstrierte Neutralität bei einem Empfang, Anlass, einer Verleihung oder bei einem politischen Auftreten. Ihr Zugeständnis war die schwarze Schleife am Kleid. Das sollte Kritikern genügen.

Und jetzt kommt die Frage ins Spiel „wie viel Weglassen an Information ist in Ordnung und wann beginnt es eine Unwahrheit zu werden?“. Eine meiner bevorzugten Stellungnahmen lautet „Wo Informationen fehlen, entstehen Gerüchte“! Da wird so manch‘ ein gemobbter Schüler heftigst nicken können. Denn wenn immer nur eine Seite zu Wort kommt, wenn wichtige Inhaltspunkte einer Diskussion nicht erwähnt werden, wenn Argumente verschiedener Personen nicht niedergeschrieben oder inhaltsschwere Aussagen weggelassen werden – dann entstehen nun einmal völlig falsche Bilder von einer Situation oder Person.

In Kates Fall hätte ein einziger Satz zum königlichen Protokoll und der Kleidungsvorschrift genügt, damit erst gar keine „kontroversen Diskussionen“ entstehen. Das bewusste Weglassen ist also meines Erachtens schon eine Art der Unwahrheit.

2 Kommentare

  1. Der Artikel gefällt mir sehr gut, denn genau das ist das Problem bei vielen sogenannten „Kurzberichten“ , aber
    übrigens nicht nur dort. Vielleicht steckt manchmal im „Weglassen“ auch eine bestimmte Intention, nämlich z.B. die, Aufmerksamkeit zu erwecken oder Diskussionen anzuheizen. – Doch das möchte ich in diesem geschilderten Fall nicht unterstellen!

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar Angelika.
      Es war vielleicht sogar nur Gedankenlosigkeit – doch auch diese ruft häufig
      genug ganz andere Reaktionen hervor.

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