Soldaten und Indianer aus Blei

Serie WDN, Soldaten und Indianer aus Blei, Sammlerfiguren, Foto (Genehmigung liegt vor)

„Weißt Du noch?“

Sigfried, 88 Jahre alt (Name der Autorin bekannt) hat mir zum Thema „Weißt Du noch?“ eine Kindheitserinnerung an sein Spielzeug geschildert. Seine kleinen Miniaturfiguren waren nicht aus Kunststoff, lackiertem Holz oder Metall gefertigt, sondern aus Blei. Und auch nicht gekauft im Fachhandel, in einer aufwändigen Verpackung einzeln in ausgehöhlten Plastikfächern steckend – nein, selbst gebastelt.

„Es war in den 30er bis Anfang der 40er Jahre und wir Jungen hatten etwa im Alter von 10 bis 13 Jahren großes Interesse an Bleifiguren“, erzählt der Senior und fährt fort, dass es sich meistens um Soldaten oder Indianer gehandelt hat. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich stolzer Besitzer eines ganzen Indianerstammes war.“ Das Beste an diesem Spielzeug war die Möglichkeit, dieses selbst herzustellen und Siegfried schildert anschaulich, wie er das vor langer Zeit gemacht hat:

„In den kalten Jahreszeiten, wenn die Öfen und Herde angefeuert wurden, holte ich meine Gießformen heraus, die aus zwei Teilen bestanden. Diese Formen konnte man kaufen. Zunächst wurden beide Teile präpariert, indem ich die Formstücke im Herd über das Feuer hielt, damit sich Ruß auf der Form absetzen konnte. Diese Rußschicht bewirkte einen fehlerlosen und einwandfreien Guss und erleichterte das spätere Auslösen der Figuren aus der Form. Danach konnten die beiden spiegelverkehrten Formteile zusammengesteckt und auf einen feuerfesten Untergrund gestellt werden.“

Serie WDN, weitere Figuren aus Blei, Sammlerstücke, Foto (Genehmigung liegt vor)

Der Senior wandert gedanklich zurück in seine Kinderjahre und ihm fallen alle Details zu seiner Figurenherstellung ein. Damals besorgten sich die Jungen das Blei für sehr wenig Geld beim Schrotthändler. „Die erforderliche Bleimenge habe ich in einer kleinen Kelle über dem Herdfeuer geschmolzen und vorsichtig in die Form gegossen. Und als diese später abgekühlt war, konnte ich die Figur entnehmen. Die Größe lag etwa bei sieben Zentimetern, aber ein Pferd mit Indianer war auch schon mal rund 10 Zentimeter hoch und 12 Zentimeter lang.  Die meisten Figuren sind mir gut gelungen. Aber trotzdem kam es hin und wieder zu fehlerhaften Exemplaren. Die habe ich dann einfach wieder eingeschmolzen“.

Auf diese Art und Weise stellten die heranwachsenden Jungen ihre gewünschte Anzahl der Spielfiguren selbst her. Bemalt hätten sie ihre Soldaten, Pferde oder Indianer aber nicht, was zum einen an den Kosten für Farben lag und zum anderen an der Verfügbarkeit. „Natürlich hatten andere Jungs noch weitere Formen und Figuren, so dass dem Tauschen oder Sammeln derselben keine Grenzen gesetzt waren“, schließt Siegfried seine Erzählung.

Wie sieht es heute aus? Sammler aus aller Welt begeistern sich für die teilweise schon 100 Jahre alten kleinen Kunstwerke aus Blei, die damals die Tonfiguren ablösten und stellen sie in Glasvitrinen aus. Doch Blei im Spielzeug, so weiß man heute, ist gesundheitsschädigend. Deutschland klagt sogar wegen der laschen Schadstoffregelung gegen die EU-Spielzeugrichtlinien und die Weltgesundheitsorganisation fordert dazu auf Blei aus Spielzeug vollkommen zu eliminieren.

Doch in diesem Beitrag handelt es sich um Sammlerstücke, die laut Hersteller nur mit Blei gegossen werden konnten. Aus reinem Zinn hergestellt hätten die kleinen Figuren beim Erstarren Löcher, denn Reinzinn besitzt die Eigenart, sich beim Erkalten zusammen zu ziehen. (…die alten Formen von früher laufen auch nicht mit Reinzinn, sie sind so konstruiert, dass sie mit Blei laufen).

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