Wer sind die Kamillianer?

Der Krankendiener-Orden

Kirchturmspitze, Foto Ute Boysen

Haben Sie es gewusst? Ich persönlich habe diesen Begriff noch nicht gehört und interessierte mich sofort für die Erklärung und den Hintergrund dieses Ordens. Zum ersten Mal las ich im September im Krankenhaus im „Sonntagsgruß“ von den Kamillianern. Dieses Blättchen wird herausgegeben vom Konvent der Kamillianer in Freiburg. Die Kamillianer, auch Ordo Sancti Camilli genannt (Quelle: Wikipedia) sind tatsächlich nicht vielen Mitmenschen bekannt, wie meine Nachfragen ergaben. Grund genug, ein wenig zu recherchieren.

Den „Sonntagsgruß“, so erfahre ich, gibt es bereits seit rund 80 Jahren. In diesem kleinen Blättchen erscheint wöchentlich ein Gruß Text, der von unterschiedlichen Autoren verfasst wird. „Mein“ Sonntagsgruß wurde von Pater Norbert Riebartsch, Kamillianer, geschrieben und passt gerade aktuell sehr gut in unsere Zeit, denn, ich zitiere: „… Für die Jünger zählte das nicht. Sie hatten ein für sie spannenderes Thema – Wer ist der Größte? Wer führt die Gruppe, wenn eine neue Leitung gesucht wird?“ Und weiter: „…Es scheint noch immer so zu sein. Fragen nach Strukturen und Einfluss nehmen hinter den Kulissen einen großen Raum ein. Zum Glück kriegen wir nicht alle Diskussionen mit.“ Diese Worte habe ich dem Sonntagsgruß vom 23. September 2018 entnommen.

Doch zurück zur Frage, wer die Kamillianer sind. Bereits im Jahr 1582, also vor mehr als 400 Jahren, wurde die Ordensgemeinschaft der Kamillianer in Rom gegründet. Sie nennt sich auch Ordensgemeinschaft der „Krankendiener“ und ist heute weltweit tätig.

Der Name des Ordens geht zurück auf Kamillus von Lellis (1550-1614), Sohn eines Soldaten und einer sehr religiösen Mutter. Kamillus wird ebenfalls Soldat, erkrankt ernsthaft an einem Fußgelenk, was in der Folge zu wichtigen Lebenswegen führen wird. In einer Zeit ohne großes Wissen in der Medizin, ohne Antibiotika oder Hygienekenntnisse stellt jede Krankheit eine Gefahr dar. Kamillus wird in einem Krankenhaus in Rom behandelt und arbeitet dort zum ersten Mal als Spitaldiener. Sein Lebensweg verläuft wechselhaft und auch in verschiedenen Ländern, bis er völlig verarmt zum Betteln auf der Straße landet. Im Alter von 25 Jahren schließlich hat er ein religiöses Erlebnis und tritt in ein Kapuzinerkloster ein. Dies wird ihn nachhaltig verändern.

Letztendlich erfährt und erlebt Kamillus die schlechte Versorgung der Kranken, aber auch die fehlende Zuwendung. Er wird Priester und später Kaplan. Und nun beginnt er mit zwei Gleichgesinnten Kranke aufopfernd und liebevoll zu versorgen. Kamillus hat mit seiner Lebenserfahrung aus der Kindheit heraus, aus dem Soldatenleben, seiner fast 40 Jahre währenden Krankheitszeit mit seiner unheilbaren Fuß Wunde, aber auch aus der verzweifelten Bettlerzeit heraus sehr viel mitgebracht, um diese Krankenversorgung ausüben zu können.

Er will aber nicht nur versorgen, er will sich „kümmern“. Dies beinhaltet ganzheitliches Denken, über die damals medizinische Versorgung hinaus. Zuwendung, Zeit, Eingehen auf das persönliche Schicksal. So pflegte und kümmerte er sich mit gleichgesinnten Gefährten um Kranke und Verletzte unter dem Motto „Mehr Herz in diese Hände“, basierend auf seinem Ziel, immer auch Zuwendung zur medizinischen Versorgung einfließen zu lassen, was bis heute nachweislich zur Heilung und Gesundung der Menschen beiträgt.

Im Jahr 1746 wird Kamillus durch Papst Benedikt XIV heiliggesprochen und im Jahr 1886 schließlich mit dem Heiligen Johannes von Gott zum Schutzpatron aller Kranken und Krankenhäuser durch Papst Leo XIII ernannt, 1930 schließlich wird er auch zum Schutzpatron der Pflegekräfte erklärt.

Unter http://www.doncamillo.de/,  der Homepage der Ordensgemeinschaft der Kamillianer in Deutschland können Sie weitere Informationen abrufen, wie zum Beispiel den Bezug des „Sonntagsgrußes“ oder anderer Publikationen unter dem Stichwort „Schriften und Texte“.

Ach übrigens, die internationale Aussage des Ordens (Camillians worldwide) lautet

„Dienen ist unser Beruf“!

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