Wie wichtig ist Ihnen Nagellack?

Ein langes Leben mit lackierten Nägeln

In diesem Beitrag befasse ich mich mit einem „Gegenstand“, der für den Großteil aller Frauen von Bedeutung zu sein scheint. Und das nicht erst seit gestern und auch nicht mehr ausschließlich für das weibliche Geschlecht. Eine 92jährige Seniorin erzählt mir von ihrer Leidenschaft zu diesem Kosmetikprodukt.

Seniorin Hannelore Varwick zum Thema Nagellack, Foto Ute Boysen

Hannelore Varwick , im Jahr 1929 geboren, kann sich gar nicht vorstellen, mit unlackierten Nägeln aus dem Haus zu gehen. „Nagellack war und ist mir sehr wichtig! Es war etwa 1945, ich arbeitete bei der Maschinenfabrik Lindemann in Düsseldorf als Lehrling zur Technischen Zeichnerin und wurde auch in der Telefonzentrale eingesetzt. Eine Kollegin trug knallroten Nagellack und passenden Lippenstift dazu!“ beginnt die Seniorin ihre Erinnerungen zu erzählen und fährt fort, dass alle in der Firma entsetzt waren. „Aber ich fand es toll“, schmunzelt sie. Und siehe da – nach und nach trugen mehr Frauen Nagellack. „Es gab nur roten und weißen Lack, er war auch nicht zu teuer und ich kaufte mir also auch einen roten Nagellack. Wenn schon – denn schon, dachte ich mir, die Nägel mussten auffallen!“ Und die Vorgesetzten sagten nichts und nahmen die neue Kosmetikerscheinung kommentarlos hin.

Symbolfoto, Hände einer Seniorin mit rot lackierten Nägeln, Foto OrnaW auf pixabay

Nach Kriegsende musste Hannelore V. ihre Lehre abbrechen, denn die Fabrik Lindemann wurde geschlossen. Die Engländer bauten die Maschinen ab und stellten den Betrieb ein. Was nun? Die junge Frau entschied sich, eine andere Ausbildung zu beginnen und suchte einen Arzt nach dem anderen auf, um eine Lehrstelle zu bekommen. „Ich bin wirklich von Tür zu Tür gelaufen“, erzählt die Seniorin und dass sie schließlich als Sprechstundenhilfe eine Ausbildungsstelle bei einem Gynäkologen (Frauenarzt) bekam. „Dort musste ich Kittel und Haube tragen, es war 1945 und Nagellack war keinesfalls erlaubt.“ Zum Glück hatte sie aber diese Stelle bekommen, denn nur Diejenigen erhielten Lebensmittelkarten, die berufstätig waren.

„Aber wenn ich am Wochenende tanzen ging mit meinen Freundinnen, dann hatte ich immer lackierte Fingernägel“, erzählt die alte Dame weiter. Ohne Nagellack, Lippenstift und Hut sei sie in der Freizeit nicht ausgegangen und ihr späterer Ehemann fand das von Anfang an sehr schön. Aber warum, möchte ich wissen und sie sagt kurz und bündig: „Es fühlt sich einfach schöner und weiblicher an! Ja, es ist ein absolutes Wohlfühlen mit Nagellack und Lippenstift.“ Hannelore V. hat ihre Nägel immer in die so genannte „Tropfenform“ gefeilt. (Persönliche Anmerkung: Das hat mir auch meine Mutter als junges Mädchen erklärt. Wenn man die Handinnenfläche anschaut und die Hand nach unten dreht, sehen die Nägel aus wie Tropfen.) Die abgeflachte, eckige oder extrem spitze Form der Fingernägel habe sie nie getragen.

Wichtig sei auch immer nur die Farbe gewesen, nicht so sehr der Preis. Wenngleich sich die Seniorin schon eine Preisobergrenze gesetzt hatte. Seit vielen Jahren trägt sie nun einen Lieblingslack in einer Lieblingsfarbe, der mit rund vier Euro wunderbar günstig ist. Trug sie jemals künstliche Nägel oder experimentierte sie schon mal in der Vergangenheit mit Glitter-Überlacken oder dergleichen? „Nein, nie! Und ich habe auch nie darüber nachgedacht, ob vielleicht gesundheitsschädigende Stoffe enthalten sind.“ Das ist nun ein Thema, das gerade in den letzten Jahren mehr und mehr an Wichtigkeit zunimmt. Aber die alte Dame geht nicht darauf ein und erzählt weiter, dass selbstverständlich im Sommer auch die Fußnägel lackiert werden. Nur mit ihrer Beweglichkeit sei es etwas schwierig geworden jetzt im Alter und da ihre Tochter als Kosmetikerin tätig ist, lässt sich die Seniorin wöchentlich von ihr die Finger- und Fußnägel pflegen und lackieren. Schwere Sehstörungen machten es ihr zusätzlich schwer, exakt zu lackieren.

Hannelores Tochter begann mit etwa 16 Jahren die Nägel zu lackieren und ein früherer Beginn erscheint der alten Dame auch nicht richtig. Dem kann ich nur zustimmen, denn ich komme noch einmal auf die Gefahr zu sprechen. Tatsächlich hat sich im Laufe der Jahrzehnte herausgestellt, wie gesundheitsschädlich die Nagellacke sind. Dennoch – die 92jährige Hannelore Varwick bleibt dabei „ohne Nagellack gehe ich niemals aus dem Haus“.

Hauptbestandteile der Nagellacke sind Nitrolack und Lösungsmittel, sowie bei farbigen Lacken Farbpigmente, Benzophenone, Triphenylphosphat, Weichmacher wie Dibutylphthalat und in „einigen Nitrozellulose-basierten Nagellacken sind trotz Verbotes in der EU Nitrosamine nachgewiesen worden, die krebserregend sind (Quelle: Wikipedia). Es gibt allerdings im Handel bereits Lacke ohne Nitrocellulose. Der Inhaltsstoff ist auf der Verpackung vermerkt. Aktuell sind seit geraumer Zeit „Gel-Lacke“.

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